Zwei Wochen auf See: Unsere Suche nach den letzten Seenomaden Indonesiens

Comment

Zwei Wochen auf See: Unsere Suche nach den letzten Seenomaden Indonesiens

geschrieben von Tyler Merkel (basierend auf Notizen und Interviews mit Simon Straetker)

Indonesien. Die Heimat von Komodowaranen, aquamarinblauem Wasser und historischen Hindu-Tempeln. Das Land ist mit seinen 17.000 Inseln, die sich über drei Zeitzonen hinweg strecken, die größte Inselgruppe der Welt. Die meisten Kartografen bezeichnen Indonesien als die letzte noch unerforschte Region unserer Erde, da das Land noch nicht vollständig erkundet ist (nur 6.000 der Inseln haben einen Namen und noch weniger sind bewohnt). Nichtsdestotrotz wollten wir auf unserer Reise keine neue Insel entdecken, sondern die abgelegensten Winkel in Südostasien bereisen, um Indonesiens fortwährende Wanderer zu finden: die Bajau Seenomaden.

Bevor wir ins Thema eintauchen, sollte ich wohl kurz erklären, wie es überhaupt dazu kam, dass ich für einen Dokumentarfilm um die Welt reise. Vor zwei Jahren war Markus Mauthe auf der Suche nach einem Filmpartner für sein bevorstehendes Projekt über Indigene Völker. Dabei ist er in seinem Facebook Feed auf eins meiner Videos gestoßen und hat mich einfach angerufen und gefragt, ob ich mit dabei wäre.

Zwei Jahre später haben Markus und ich auf vier Reisen die abgeschiedensten Orte dieser Welt besucht. Wir sind den Amazonas hinuntergefahren, haben die blutroten Sanddünen Namibias erklommen und uns über die staubigen goldenen Ebenen im Südsudan geschleppt.

Wenn die Erwähnung des Südsudan dein Interesse geweckt hat, kannst du in meinem letzten Blogpost mehr darüber erfahren. Er ist voll von aufregenden Abenteuern, politischen Machenschaften und vielen Fotos von den spektakulären Ankole-Watusi Rindern. Schau ihn dir einfach an!

Aber zurück zu unseren Reisen. Du fragst dich vielleicht, warum wir so etwas machen? Ich sag dir wieso - um die rapiden Veränderungen, die der Klimawandel und andere, oft unvorhersehbare Einflüsse der modernen Welt auf diese abgelegenen Landschaften und Völker haben, zu portraitieren, fotografieren und begreifbar zu machen. Um das, was durch unüberwindbare geografische Grenzen unerreichbar wurde wieder sichtbar zu machen.

Nach einer kurzen Atempause in Deutschland waren wir schließlich bereit für unsere nächste Expedition: Südostasien.

Auf dieser Reise wollten wir das Bajau-Volk kennenlernen und von ihnen lernen. Jahrhundertelang hat diese Bevölkerungsgruppe das ganze Jahr über auf seinen Booten als Seenomaden gelebt, weit ab vom Festland - bis vor ungefähr dreißig Jahren. Heute hat sich der Großteil der wandernden Seemänner dazu entschieden, sich in Stelzendörfern niederzulassen.

Unser erster Halt war der Wakatobi Nationalpark, eine Region die von Tauchern und Meereskundlern geliebt wird, weil sie über 940 Fischarten und mehr als 700 verschiedene Korallenarten beherbergt (zum Vergleich: das Karibische Meer hat weniger als 70 Arten). Die Gewässer in Watakobi bieten Korallen die perfekten Bedingungen zum wachsen: das Wasser ist glasklar, hat eine stetige Temperatur von 27° und ist meist nicht tiefer als 20 Meter (was genug Licht bis zum Grund lässt). Außerdem gibt es keinen starken Wellengang, selbst bei Starkregen nicht. Jede noch so kleine Veränderung dieser Bedingungen beeinträchtigt das Wachstum der Korallenriffe.

Nach Watakobi machten wir uns in Richtung Mabul auf, wo wir einigen der letzten Bajau-Seenomaden begegneten, die noch vollständig nomadisch leben.

Unser Team bestand aus Markus Mauthe, dem Filmemacher Janis Klinkenberg, Tonfrau Svenja Christ und zuletzt mir, Simon Straetker.

Zuerst war das wunderhafte Bajau-Dorf Sampela in Watakobi an der Reihe.

 

TAG 1: Sampela

Wie soll ich diesen Ort beschreiben? Sampela ist ein schwimmendes Dorf mitten im Meer, das komplett auf Stelzen steht. Es ist eine Insel ohne jegliches Fundament, ein normales Dorf, das vollständig auf eine seichte Stelle im aquamarinblauen Meer verpflanzt wurde. Es hat sogar zierliche Brücken, die die Häuser miteinander verbinden. Über die Jahre hinweg hat die Bajau-Bevölkerung einfache Holzpfähle zur Befestigung im darunter liegenden Riff verkeilt, was die Korallen dankbar annehmen - fast so als ob das Dorf eine Fortsetzung ihres natürlichen Wachstums wäre. Das symbiotische Ergebnis ist unlogisch, fragil, aber vor allem bezaubernd.

Die Bajau-Gemeinschaft ist zwar nicht wohlhabend, aber auch nicht arm. Ihre Dörfer sind oft mit Gesundheitseinrichtungen, Schulen und kleinen Moscheen ausgestattet. An unserem ersten Tag in Sampela haben wir einfach versucht, uns auf schlechtem Englisch (und noch schlechterem Bajau) mit den Einheimischen zu unterhalten und sind durchs Dorf geschlendert bis die Sonne hinterm Horizont verschwunden war. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kehrten wir zu unserem Hotel auf der Hoga-Insel zurück - ein fast unsichtbares grüner Schimmer in der Ferne.

 

TAG 2: Hoga-Insel

An unserem zweiten Tag standen wir mit Sonnenaufgang auf und begutachteten die Küste, um das Müllproblem Indonesiens zu dokumentieren. Wir stellen fest, dass der namenlose Strand in Wakatobi, wie so viele andere indonesische Strände auch, von Abfall bedeckt war. Es war erschütternd auf dieser abgelegenen Insel zu sein und ständig über Berge von Plastiktüten, Joghurtbechern, Cola-Flaschen, Chipstüten und großen Ölkanistern zu stolpern. Wir filmten Markus dabei, wie er durch den Müll watete.

An diesem Tag trafen wir auch Pondang, ein treuer Freund, kluger Seefahrer und beständiger Ja-Sager, der für den Großteil der Reise unser Bajau-Guide wurde. Anfangs dachten wir, dass Pondang der gefälligste Mensch aller Zeiten sei. Er antwortete auf jede Frage, die wir stellten, mit einem schnellen und souveränen “Yes”.

“Gibt es Skorpionsfische in diesem Riff?”

“Yes.”

“Leben in diesem Dorf noch echte Nomaden?”

“Yes.”

“Betreiben die Menschen auf dieser Insel Dynamit-Fischerei?”

“Yes!”

Wir vermuteten, dass “Yes” das einzige Englische Wort war, dass unser Guide kannte. Also fragten wir “Pondang, bist du ein Terrorist?” und er antwortete “Yes! … halt warte, nein!” Ertappt brach Pondang in ein Lachen aus, dass so ansteckend war, dass wir mit einstimmten.

 

TAG 3: Sampela

Am dritten Tag hatten wir die Gelegenheit mit ein paar Bajau-Fischern, die dafür bekannt sind, übermenschlich gut im Freitauchen zu sein, tauchen zu gehen. Markus hatte vor, beim Schnorcheln Fotos zu machen, aber nach einigen Minuten im Wasser wurde uns schnell klar, dass unsere Ausrüstung so viel Auftrieb hatte, dass wir eigentlich schwere Gewichtgürtel brauchten. Also war unsere einzige Option zu Tauchen - und das machte uns ein kleines bisschen Sorge.

Markus und ich haben zwar beide einen Tauchschein, aber es war Jahre her, dass einer von uns wirklich Tauchen war. Außerdem waren wir daran gewöhnt Tauch-Guides zu haben, die unsere Gewichte und Sauerstofflevel kalkulierten, und sicherstellten, dass wir nicht in Panik ausbrachen und unsere Lungen platzten. Hier gab es aber leider keine Tauch-Guides. Unsere Angst verschlimmerte sich, als wir einen nicht gerade kleinen Teil unserer Tauchausrüstung beim Verleih vergasen.

Also machten wir das, was jeder in unserer Situation tun würde: wir googelten “Wie taucht man richtig”. Leider brachte uns das nicht viel weiter. Trotzdem sprangen wir ins Wasser und unser Muskelgedächtnis brachte uns sicher wieder an die Oberfläche. Zum Glück gab es auf dieser Reise keine geplatzten Lungen.

Während dem Tauchgang fotografierten wir die Bajau beim Jagen. Der Prozess ist beeindruckend - die Taucher schnallen sich Taucherbrillen aus Holz und Glas um den Kopf und schwimmen an der Wasseroberfläche entlang. Sobald sie einen Fisch entdecken, holen sie tief Luft, tauchen ab, schwimmen gemächlich am Meeresboden entlang und harpunieren ihr Abendessen. Keiner der Taucher hatte Schwierigkeiten damit, immer wieder zwanzig Meter tief zu tauchen. Wir erfuhren später, dass Bajau-Männer ihre Trommelfell in jungem Alter aufschneiden, um die Auswirkungen des schwankenden Drucks auf ihre Ohren zu senken. Die Kehrseite davon ist natürlich, dass die meisten Bajau-Männer mit 40 taub sind.

Nach 20 Minuten hatten die Männer mehr als 40 Fische zusammenbekommen. Wir kletterten zurück ins Boot, schnitten ein paar schillernde Gelbschwänze auf, beträufelten sie mit Zitronensaft und gönnten uns ein langes Mittagessen.

 

TAG 4: Sampela

An unserem vierten Morgen trafen sintflutartige Regenfälle die Insel. Wir suchten unter einem Bungalow Schutz und befragten einen älteren Mann zu den Veränderungen, die die Insel in den letzten zwei Jahrzehnten erlebt hat. Er klagte, dass es früher viel mehr Fisch gab, aber freute sich darüber dass die örtlichen Schulen inzwischen mehr Kinder unterstützten und sie mit Schuluniformen ausstattete. Ein Luxus, den sich in seiner Jugend keiner hatte leisten können. Wir fragten ihn, ob er mit seinem Leben zufrieden sei und ob er sich in außer seinem kleinen Dorf noch etwas wünschte. Er antwortete mit einem bestimmten Nein und sagte “Ich bin glücklich. Ich brauche gar nichts.”

 

TAG 5: Sampela

Nach der Hälfte unserer Reise bekamen Markus und ich die Gelegenheit, bei einer der Familien im Bajau-Dorf Sampela zu übernachten. Was wunderbar war, bevor Markus und ich aus Versehen alles kaputt machten. Es begann, als Markus sein Hemd zum Trocknen über eine elektrische Leitung hängte, die natürlich abriss. Aber es sah so aus, als wäre sie schon einmal mit Klebeband ausgebessert worden, sodass ich versuchte sie zu reparieren, indem ich ein bisschen mehr darauf klebte. Andere Länder, andere Sitten, oder? Naja, da ich nicht der talentierteste Heimwerker bin, begann die Leitung Funken zu schlagen und plötzlich erloschen alle Lichter in der Nachbarschaft. Das war es mit unserem Versuch, die Leitung selbst zu reparieren. Aber unsere Gastfamilie war sehr liebenswürdig und brachte die Lichter innerhalb weniger Minuten wieder zum Leuchten.

 

TAG 6: Sampela

Am Nachmittag begleiteten wir die Bajau-Bevölkerung beim Netzfischen. Das funktioniert folgendermaßen: ein paar Fischer klettern in ein schmales, drei Meter langes Kanu. Der hintere Bajau lenkt das Boot mit einer langen Holzstange, so ähnlich wie die Gondelfahrer in Venedig, während die restlichen Männer auf der rechten Seite des Kanus ein 100 Meter langes Netz ins Wasser lassen. Dann schlagen sie auf der linken Seite des Bootes mit der Lenkstange aufs Wasser und jagen die Fische so geradewegs ins Netz. Dann ziehen sie das Netz aus dem Wasser, und voila, das Kanu ist in weniger als einer Stunde voller Fische.

 

TAG 7: Sampela

Heute war unser letzter Tag in der Wakatobi Region. Also fuhren wir zu einem nahegelegenen Riff und schwammen daran entlang, bis die Korallen in die tiefste Finsternis abfielen. Das Licht war genau richtig und wir konnten einige richtig gute Aufnahmen von den Bajau einfangen, wie sie jagten, tauchten und in Kreisen um uns herum schwammen.

Am späten Nachmittag verdunkelten Wolken die Sonne und da nur bei Sonnenschein genügend Licht unter die Wasseroberfläche gerät, konnten wir keine weiteren Aufnahmen einfangen. Unsere GoPro konnte zwar in diesen schlechten Bedingungen filmen, aber jeder der schon mal eine benutzt hat, weiß, dass es wahnsinnig schwierig ist, sie still zu halten - vor allem dann, wenn Unterwasserströmungen einen umherwerfen. In einem verzweifelten Versuch befestigten wir die GoPro mit Klebeband an einem Monopod und der Griffstange meines Gimbals - was überraschenderweise funktionierte!

 

TAG 8: Kendari

Wir verbrachten den gesamten Tag auf der Fähre von Wakatobi nach Kendari. Seltsamerweise war es einer meiner Lieblingstage. Ich mag das Gefühl, langsam zu reisen, statt von Flugzeug zu Flugzeug zu hetzen. Langsames Reisen kann sehr meditativ sein. Auf dieser gemächlichen Seefahrt hatte ich hinreichend Zeit, alle saftig grünen Berge, jeden Flecken Seetang und die Unterwasserlabyrinthe aus Korallen zu begutachten - alles Anblicke, die man innerhalb eines Wimpernschlages verpasst, wenn man mit dem Flugzeug unterwegs ist.

Als wir weiter aufs Meer hinaus fuhren, beobachtete ich andere Passagiere dabei, wie sie ihren Müll ins Wasser warfen. Ich war verblüfft. Was aber noch schlimmer war: das Schiff hatte nicht einmal Mülleimer, sodass es schien, als würde die Fährgesellschaft den Hang der Passagiere, ihren Müll im Meer zu entsorgen, noch unterstützen.

Ich verstand es nicht. Wie kommt man auf die Idee das Meer wie eine große Mülltonne zu behandeln?

Die indonesische Regierung hat 2016 mit einer Gebühr auf Plastiktüten im Einzelhandel begonnen, gegen das Problem anzugehen. Viele Umweltschützer haben die Kampagne jedoch kritisiert, weil die Abgabe zu gering ist, um eine Wirkung zu haben und weil Plastiktüten nur einen geringen Teil des Mülls ausmachen. Dass viele Leute das Aussehen von modernen Plastikverpackungen bevorzugen, macht das Ganze noch schlimmer. Biologisch abbaubare Verpackungen wie zum Beispiel Bananenblätter werden als altmodisch angesehen. Die Regierung hat außerdem ein wachsendes Netzwerk aus “Müll-Banken” aufgebaut (momentan gibt es davon im ganzen Land 3.800). Diese provisorischen Müllhalden zahlen den Menschen etwas Kleingeld für ihren recyclingfähigen Abfall.

Die Mehrheit nimmt an, dass die wahre Lösung für die Müll-Krise aus zwei Richtungen kommen muss: Zum einen muss die Regierung (oder eine vermögende NGO) ein geeignetes und praktisches System zur Abfallentsorgung entwickeln, indem die Regierung den Müll abholt und entsorgt. Zum anderen muss Plastik mit biologisch abbaubaren Alternativen ersetzt werden, die keine giftigen Rückstände hinterlassen (damit selbst die, die ihre Joghurtbecher ins Meer werfen, nicht mehr zum Problem beitragen).

 

TAG 9

Am nächsten Morgen brachen wir zu dem wohl seltsamsten Anblick in ganz Indonesien auf: der Dynamit-Fischerei. Einer von Pondangs Freunden war professioneller Dynamit-Fischer und war damit einverstanden, dass wir den Vorgang filmten. Zuerst versammelten wir uns im Haus des Mannes, wo er uns seinen riesigen Vorrat an selbstgemachten Bomben zeigte - alte Bierflaschen befüllt mit Dynamit.

Wir warfen ein paar der Bier-Bomben in ein Boot und paddelten zu einer Sandbank. Dort zündete er wie beiläufig eine der Bomben an und warf sie über den Rand des Bootes, nicht weiter als fünf Meter. Das Meer blubberte und wir konnten einen gedämpften Knall hören. Dann trieb ein Haufen toter Fische mit offenen Mäulern an die Oberfläche. Anscheinend ist es der Druck und nicht die Detonation, die sie tötet.

Offensichtlich bringt diese Taktik um einiges mehr Beute als traditionelle Speer- und Netzfischerei. Aber der Druck der Bombe und Chemikalienreste zerstören die Korallen in kürzester Zeit. Außerdem ist die Methode so effizient, dass sich die Fischpopulation nicht schnell genug regenerieren kann. Noch auf dem Boot fragten wir den Fischer, ob ihm bewusst war, dass die Dynamit-Fischerei das Riff zerstört. “Zwanzig Leute aus meinem Dorf machen das” antwortete er, “Was macht einer mehr schon aus?”.

 

TAG 10: Toreo

Am nächsten Tag fuhren wir zwei Stunden in den Norden, um die letzten echten Bajau-Seenomaden zu finden. Aber da es sich um Nomaden handelt, war es nicht gerade einfach, ihren momentanen Aufenthaltsort an einem einzigen Tag ausfindig zu machen. Die Bajau bekamen wir nicht zu Gesicht, dafür fanden wir aber einige ihrer spektakulären hölzernen Plattformen, die sie für die Licht-Fischerei verwenden. Ganz genau, Licht-Fischerei, die skurrilste Fischfangmethode, die man sich vorstellen kann.

Jede der Plattformen ist mit einem Generator und einem Haufen Lampen ausgestattet. Nach Sonnenuntergang paddeln die Fischer zu diesen hölzernen Inseln, werfen den Generator an, hängen die Lampen knapp über die Wasseroberfläche, und ein Netz gleich darunter. So komisch es auch klingen mag, aber die Fische werden vom Licht angezogen; so sehr, dass sie geradewegs ins Netz hinein schwimmen. Am nächsten Morgen kehren die Fischer zurück und leeren ihre vollen Netze.

Immer noch auf der Suche nach dem wahrlich nomadischen Bajau-Volk, packten wir unsere Ausrüstung ein um ins indonesische Nachbarland Malaysia aufzubrechen.

 

Malaysia

Nach ein paar Flügen und einer Bootsfahrt kamen wir auf Mabul an, einer Insel von der gemunkelt wird, dass sie ein regelmäßiger Anlaufpunkt für viele Seenomaden ist, wo diese für Touristenfotos posieren und ihren Fisch auf dem Markt verkaufen. Mabul ist zudem einer der besten Orte der Welt um exotisches Mikro-Meeresleben zu sehen. Das endlose Labyrinth aus Riffen ist voller Meerestiere wie Anglerfische, Tintenfische und Blaugeringelten Kraken (um nur einige zu nennen). Es ist ein Paradies für Taucher!

Aber würden wir hier endlich die Bajau-Seenomaden antreffen?

Wir wussten, dass wir Glück hatten, als wir ein paar nomadische Hausboote im Hafen verankert sahen, zehn Meter lange Schiffe, die sich nur durch ihre Harlekin-Baldachine unterschieden, sowie so manche Familie, die zu fünft oder mit noch mehr Mitgliedern darin lebten.

Scheinbar macht es die Regierung den Nomaden nicht einfach, ein festes Einkommen zu erzielen. In einem Interview erzählte uns ein Bajau-Fischer, dass er gern in einem Haus auf einer Insel leben würde, was er sich aber nicht leisten kann. Wie andere Nomaden auch, wechselt er zehn mal im Jahr seinen Standort, um den Fischwanderungen zu folgen. Wenn er nicht auf einem Boot leben würde, bräuchte er zehn verschiedene Häuser auf unterschiedlichen Inseln, um immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, um die Fische zu fangen, die er benötigt. Aber die Tatsache, dass er auf einem Boot lebt, macht ihn in den Augen der Regierung staatenlos. Es ist wirtschaftlich im Grunde nicht machbar, gleichzeitig als Fischer sein Brot zu verdienen und sich auf einer der Inseln niederzulassen.

Wie du dir vielleicht vorstellen kannst, lernen die Bajau normalerweise kein Englisch. Deshalb wird in der Gegend von Mabul der Großteil der Jobs in den Resorts von philippinischen Immigranten übernommen. Aber wir trafen einen Ausnahmefall, der zu unserer Reisegruppe dazu stieß: Abdul. Er war einer der wenigen Bajau, der es geschafft hatte, sich selbst Englisch und Mandarin beizubringen, und auch noch einen Job als Tauch-Guide in Mabul bekommen hatte. Seine einmalige Erfahrung bedeutete, dass er sowohl den östlichen als auch den westlichen Lebensstil kannte. Später an diesem Tag räumte er ein, dass das Bajau-Volk sich nur “über heute Sorgen macht”, während die Menschen im westlichen Lebensstil fürs Morgen leben. Nachdem er etwas darüber nachgedacht hatte, philosophierte er, dass die Bajau viel glücklicher als ihre westlichen Gegenüber sein müssten, die von Krediten, anstrengenden Jobs und ähnlichem belastet seien. Im Gegensatz dazu gestand er, dass er den westlichen Lebensstil auf Mabul bevorzugte und sich nicht vorstellen könne zum Rhythmus des Bajau’schen Lebens zurückzukehren.

Wir trafen ihn während eines Tauchgangs mit 120 chinesischen Touristen, waseine wirklich bizarre Efahrung war. Fünfzehn Minuten nachdem wir unsere Tauch-Exkursion begonnen hatten, fragte Abdul, wer denn eigentlich schwimmen könne (nicht tauchen - schwimmen). Nur die Hälfte der Gruppe hob die Hand. Janis, Svenja und ich schauten uns mit großen Augen an und machten uns Sorgen, dass nicht alle überleben würden. Aber Abdul wurde spielend mit allem fertig und sorgte dafür, dass niemand umkam.

 

TAG 12

Zu unserem Glück bot Abdul uns an, für die letzten Interviews unser Übersetzer zu sein. Wir schlenderten die Küste Mabuls entlang, als wir ein Hausboot entdeckten, auf dessen Dachen 40 Stachelrochen in der Sonne trockneten. Ohne groß nachzudenken gingen wir darauf zu und hofften, dass wir vielleicht 20 Minuten mit der Familie reden konnten. Stattdessen unterhielten wir uns über zwei Stunden.

Wir erfuhren, dass acht Menschen aus drei Generationen auf diesem zehn Meter langen Boot lebten. Das Schiff war in drei Hauptteile aufgeteilt: der Vorderteil des Bootes war fürs Fischen und die Lagerung von mehreren Boxen voll Ausrüstung, Kleidung und einigem Schnickschnack reserviert. In der Mitte des Bootes befand sich ein Gemeinschaftsbereich mit einer einzigen Miniatur-Hängematte, und das Ende des Bootes war mit einer Küche ausgestattet. Die Familie erzählte, dass jeder von ihnen auf einem Boot aufgewachsen war und sein Leben damit verbracht hatte, von einer Insel zur nächsten zu ziehen, immer auf der Jagd nach den Fischschwärmen.

Am Ende des Interviews begann es zu stürmen, sodass die Familie einen Regenschutz auf demBaldachin befestigte und die anderen sich auf die Suche nach einem Unterstand machten, weil es im Schutz des Bootes nicht genug Platz für alle gab. Ich entschied mich dazu, noch etwas länger auf dem Boot zu bleiben.

Nichts aufregendes geschah - ich spielte ein wenig mit den Kindern, während der Vater ein Netz reparierte und die Großmutter einen Stachelrochen in Würfel schnitt. Aber wir lächelten uns immer wieder an. Wenn ich auf meine bisherigen Abenteuerreisen zurückblicke, sind es oft diese ruhigen, kulturell übergreifenden Momente, die einem in Erinnerung bleiben. Als Filmemacher bin ich es inzwischen gewohnt, auch mal aufdringlich zu sein. Es kann schwierig sein, mit anderen Menschen eine Verbindung herzustellen, wenn dein Gesicht hinter einer Kamera versteckt ist. Diese ruhige, kameralose Stunde war deshalb ein wahrer Segen und ein unvergesslicher Moment.

Letztendlich könnte man unsere Reise glaube ich in einem Interview zusammenfassen, das wir mit einem älteren Nomaden führten, der als Seenomade lebt obwohl er auf beiden Augen blind ist. Er ging oft mit seinen Kindern fischen, hatte aber auch allein keine Probleme und bewegte sich auf seinem Boot so selbstverständlich, dass wir schon daran zweifelten, ob er überhaupt blind war. Er erzählte, dass er sein Augenlicht vor 6 Jahren verloren hatte, weil er zu viel in die Reflektionen der Sonne auf dem Wasser geschaut hatte. Aber es machte ihn nicht traurig.

Am Ende des Interviews fragten wir ihn, ob er einen Ausweis wolle, damit er die Gesundheitsversorgung der Regierung in Anspruch nehmen konnte. Er lächelte uns an und sagte “Nein, der würde sowieso nur nass werden”.

Comment

Tundra Nomads: Siberia’s Last Free People

Comment

Tundra Nomads: Siberia’s Last Free People

Before

Siberia: A far off place where permafrost enveloped landscapes never melt, polar bears and reindeer roam the tundra, and cars on the street never turn off their engines (unless you don’t mind restarting it in the spring).  

This Spring, Greenpeace photographer Markus Mauthe and I travelled to the region of Chukotka, which is located at the northernmost tip of Russia, deep in the arctic circle. We would visit Russia’s ancient nation of reindeer herders: the nomadic Chukchi.  

Markus and I were visiting the Chukchi people for the final chapter of our documentary entitled “Nature and Tribes”, which has taken us to the obscure corners of the planet. To bring you up to speed, in the past two years we’ve marched across South Sudan’s dusty plains, dove in Indonesia’s teeming aquamarine waters, and waded through the thick, muddy water of the Amazon river-- all to visit the most remote communities that are fading out in our increasingly globalized world. 

The goal of the film is this: to portray, photograph, and make real the rapid changes that climate change and other, sometimes unforeseen influences of the modern world have on these indigenous communities.

But the last chapter in our trip almost didn’t happen. In far northern Siberia our would-be guide, Nikolai, dropped the ball and happily told authorities that we were filmmakers before we had even entered the country. That was a fact we were trying to keep under wraps, because Russian officials get pretty antsy when you venture into their territory with a car load of camera gear. 

So...the Russian government promptly revoked our travel permission and said we couldn’t board the plane, and we shouldn’t even bother showing up. Too late - I was already on my way to the Frankfurt airport, my bags stuffed with every down jacket I could get my hands on. Things looked bleak.

So we rearranged our travel schedule, went to Indonesia instead, and our German friend Steffen Graupner helped us to sort out some new travel plans (aka convince the government we were definitely not trying to film some kind of Putin exposé). He quickly found us a more discrete guide - Michael Rezyapkin.  But there were strict new stipulations to our new travel permissions. First, we wouldn’t be allowed to pilot our snowmobiles. Second, our five week deep dive into Siberia would now be a two week trip. Last of all we couldn’t tell anyone, especially immigration, that we were filmmakers. 

 

Bribes and Lies

So what happened first? Almost immediately after landing in Moscow, Russian immigration agents found out we were filmmakers. Of course.

We stubbornly insisted we were tourists, but they weren’t falling for it. We stared at each other for a good minute. Then we were led into a bare white room scrubbed clean of dirt and hope, and we argued for two hours. Finally the officials demanded a large cut of our funds. We countered that we would go home rather than cough up the bribe money. Markus was sullen, and I was mentally packing my bags. We had reached an impasse.

But luck was on our side. After another long, silent staredown, one of the officers just let us go, as if it wasn’t a big deal, like we had chosen to be interrogated. I stumbled out of the room, dazed. I think they had been messing with us for fun. I just hoped that getting out of the country would be a little easier than getting in. If they let us out at all!

 

 Welcome to Chukotka

After all that trouble we skipped town as fast as we could and hopped onto a flight bound for Anadyr, the capital city of the Chukotka region and the easternmost town in Russia. This peculiar flight from Moscow to Anadyr lasted a gruelling 9 hours, which incidentally made it the third longest domestic flight in the world. The flight was packed, which was quite surprising, since the Chukotka region barely holds 40,000 people.

When we dipped down below the clouds the Anadyr airport finally came into sight. It was a barren grey collection of buildings with aqua blue skylights, a dash of color against the endless tundra. It was already springtime, and temperatures were at a sweltering -5 °C. Thick blades of green grass were popping through the ice and snow.

When we touched down, our plane was the only aircraft on the slick, icy tarmac, save for 5 military helicopters tucked into a corner. 

Michael, our chummy new guide and translator was waiting for us outside, along with Maxim Rozgon (Max) and Alexander Makarov (Sascha) who would pilot the snowmobiles. The airport was located across a river that runs through the heart of Anadyr. So before we crossed over we decided to explore an abandoned military town on the edge of the city. We wandered through the dilapidated Soviet barracks, tool sheds and stores. Every inch of the rooms were covered in snow and ice, from the floor to ceiling. When we dug through the powder we uncovered broken glass, warped silverware and a battered roll of film. 

After that we continued toward town. Anadyr is on a bay and is separated from the airport by a large river with no bridges, so we drove across the river’s icy surface which was growing slushy with the spring heat. I wondered how many days we had before our exit melted away?

At this stage in our trip our plan was this: make a mad dash for the polar sea and hopefully meet the famed reindeer herders somewhere along the way. 

But before we embarked we had to test out our snowmobiles in Anadyr. So we headed to the frozen (but melting) lake. We had three snowmobiles in total. Michael got his own, I rode with Max, and Markus shared a mobile with Sasha.

 In the first five minutes Michael fell over and Max (the de facto snow mobile expert) was zipping around at 40 mph+, launching off small snow banks, sliding across thick blue ice, and bursting through banks of powder. 

After we thoroughly tested our transport, we spotted some ice fishermen on the far edge of the frozen lake. We rode over and saw that about 100 people were out there, with twenty bulbous 4x4 cars congregated on the ice. The ice looked more like swiss cheese for all the fishing holes augured into it. Michael matter of factly told us that everyone in the group was fishing for fun, as it is third most exciting thing to do, after the cinema and sauna. 

But these hobbyists catch quite a haul, about 100 in a day. I gave it a go for an optimistic 10 minutes and didn’t catch anything. So instead, I munched on fried fish with a fellow angler who was having much better luck.  It was 10:30, the sun was weakening, and the temps dropped to -5, so I decided to head home and put on five more layers of down. We would be rising with sun in 3 ½ hours.

 

Departure Day

Okay, so a sunrise departure was ambitious. We spent two hours packing our sleds, which were a winsome mess of rope and blankets and gasoline. Our excursion started out on our practice lake. 

After 20 kilometers we encountered the first bump on the road; Michael’s snow mobile’s electronic chip had already malfunctioned about eight times, so it was decided that Max would rush back to Anadyr and swap out the chip while we continue forward. It would have been a fine plan, if any of the rest of us had even the slightest sense of direction. 

When Max caught up with us later that afternoon we had spent a total of four hours driving in wonky circles. Even worse, in a 10 hour span we had only travelled 30 kilometers total. After reuniting with Max, we raced through the next 130 kilometers,  through dense clouds of migrating fog, past craggy mountains. When we arrived in Uelkal that night everything I had was soaked to its core.    

The next day we rode 100 kilometers, and I even got to take over and drive for a good chunk of it (I mean, we were in Siberian tundra, who’s around to tattle)? 

Along the way we ran into some locals who were making our exact journey via tank. They took a week to traverse what we had done in one day.

 

Amguema, Gulags and Vodka

On our way to Amguema we crossed over the polar circle and took part in a proud Russian tradition: drinking vodka. But honestly - our Russian comrades always found some reason to drink.

Along our ride we spotted a few abandoned gulags, half buried in the snow. I would later learn that in 1779 the Russian government started a long, fruitless war against the Chukchi. But by the 1760’s the Russians had given up, and decided to end the war if the Chukchi agreed to not attack settlers anymore and submit some furs in lieu of taxes. But in the 1930’s the Chukchi were forcibly relocated to state-supervised economic collectives (socialist settlements where work and compensation were completely controlled by the government). 

Also during this time, millions of Soviet citizens were arrested and deposited into newly constructed gulags in the heart of Chukchi territory. These labor camps didn’t just hold proper criminals like thieves and murderers, but also political prisoners (which included real opponents of the Soviet regime but also innocents who were picked up by the Secret Soviet police for some truly absurd reasons). For example, during the Stalin era, if you arrived late to work three times, you could spend three years in prison. Or if you cracked an innocent joke about a Communist Party Official you could go to be picking tundra berries for 25 years.

As we looked down at the dismal sight, Michael told us that it often wasn’t the cold temperatures alone that had killed the prisoners there. What really killed people were the unpredictable changes in temperature. A prisoner could survive -40 if he or she had enough time to acclimate to it. But if -10 dropped to -40 overnight, that’s when people froze. We rolled into town sometime around 9 p.m.

Amguema isn’t like the other towns-- it’s where all the reindeer herders’ children live. So while their parents are guiding the reindeer herds through the tundra, the children are at this town’s boarding school getting a modern education, browsing the internet, watching blockbusters, play video games. 

Some of these children will never join their parents out in the frosty frontier. They can go to a university, become a doctor, or join the Russian army. They are presented with a world of options, and see little reason to embrace a simple nomad’s lifestyle. 

 

The Reindeer Herder’s Boarding School

The principal of the school gave us a tour. Everything looked quite new (which you don’t expect for a school at the end of the world). The books weren’t dog-eared and the chemistry equipment was rather shiny.

 What surprised us was that there was a classroom devoted entirely to Chukchi culture. The principal told us that these kids only know Russian, so they have to learn their parents’ language as a secondary language. The classroom was littered with miniature figurines of sleds, reindeers and fish, each with a small placard next to it with its Chukchi name. 

But when we visited the classroom no one was inside. We found the missing students in the dim computer lab playing Roller Coaster Tycoon and FIFA 2014. But things got a little stranger from there. OK, a lot stranger. We found other students in the gym. Some were marching in army formation, others were in the corner were dismantling and reassembling AK-47’s at lightning speed. We just stood there. Dumbstruck. I thought to myself “what the hell?”

The principal leaned over and told us the students were doing this for the local scout club. He said there is a AK-47 dismantling contest later this year, which is sort of like Siberia’s version of a soccer tournament or talent show. 

After this we were informed that the Fifth Brigade (a group of Chukchi herders and their reindeer) had set up camp in a snow plain just 60 kilometers north. In a rush, we hopped on our snowmobiles and drove for two hours into the fog.

 

 Saying Yetti (hello) Reindeer Herders!

For the most part there are two vocations for the Chukchi peoples: whaling and reindeer herding. They differentiate themselves correspondingly as Chauchu (the Chukchi word for rich in reindeer) and Anqallyt, Maritime Chukchi (the sea people). 

The Maritime Chukchi live in fixed, semi subterranean villages but the reindeer Chukchi have lived as nomads, flitting from one spot to the next, travelling by sleds pulled by deer, constantly chasing edible foliage. 

70-SSP_170422_00302.jpg

When we met the first family of the 5th Brigade, spring had reached their valley and there were only a few pockets of ice. The large winter yaranga (a tent composed of heavy reindeer furs and long wooden beams) was packed away. Outside of the breezy tent, Michael introduced us to Vladimir and Rimma Rultynkeu, and their teenage son Artem, who were gathered around some steaming tea. Everyone was wearing their modern winter clothes (dark wool coats and canvas pants), since fur was exclusively worn in the dead of winter. 

It seemed that everyone was in Chukchi summer vacation mode, happy and warm. But Markus and I panicked a little, because we needed shots of the brigade in the icy tundra and braving freezing temperatures. But for the time being we put aside our shoot list and sat down to talk with our new comrades. 

This 5th Brigade had lived out in the tundra for every single winter of their lives, just like the rest of the hardcore Chukchi herders. We chatted for a few hours, and they told us about their migration. In a span of eight years, they’ll move their little encampment every month. On this day, eight years from now they’ll come back to this area when the grass has fully regenerated. 

We also were told that household duties were gendered. Everyday, the Chukchi men watch their reindeer nibble on long grass and scare off the hungry bears and wolves that edge toward their flock. Meanwhile the women’s work included cleaning and repairing the yaranga (the traditional tent-like house), cooking food, sewing and stitching clothing, and fashioning floppy reindeer skins into respectable blankets. 

We explored their encampment, but this troupe of Chukchi didn’t have their full tent set up-- just an improvised summer tent with the traditional polog inside. 

After visiting for a few hours and sipping copious amount of tea, we headed 10 kilometers east to visit the second family in the 5th Brigade, who were looking after the male reindeer (they had to be separated since the ladies were giving birth). 

Winter was still in full swing at the second family’s encampment. Everyone was wrapped up in their reindeer furs and there was a thick layer of snow on the ground.

We introduced ourselves to Valerie and his wife, snapped some photos of the camp and pulled some sleds around.  I flew my drone for a few minutes before the propellers started to freeze midair. 

What surprised me through all this was how timid the reindeer were. Both male and female reindeer have antlers, so from a distance I expected the them to be brazen. Instead they were as skittish as rabbits and always cleared a path for us as we meandered through the flock. 

After all the filming, the family invited us into the polog (heart of the tent) to eat, huddle by the heater, and eventually sleep. It was quite cozy and we had almost drifted off when Michael burst through the furry entrance yelling, “northern lights, northern lights!” We rolled out of bed and stumbled back out into the cold to look at the sky that was streaked with a ethereal neon green. 

After the excitement we scarfed down some boiled reindeer meat soup and laid down on the polog's furry floor, still fully clothed in our down jackets. I fell immediately into a dreamless sleep.

During breakfast the next morning back at Vladimir’s place, he shared a few facts: this brigade (an independent economic unit of Chukchi nomads) consisted of two families. In this case, that meant five people total. We also discovered that until seventy years ago most Chukchi had only one given name. As it was, the Chukchi only started conjuring up surnames after the government pressured people to adopt a family name (based on the father's given name) in order make school registrations and other bureaucratic paperwork easier. 

We also convinced them to tell us a few stories. Vladimir told us about his grandfather, who used to be one of the wealthiest Chukchi, with over 25,000 reindeer. But he didn’t inherit his fortune; he stole it. How? By eloping with the daughter of the wealthiest family in the whole region. After exchanging some speedy vows, they snuck back into camp together and took her whole family’s herd. 

Apparently, the wronged family tried to chase them down to get the herd back, but could they never catch up. A few generations later, Vladimir’s family looks over 4,000 reindeer-- a mere fragment of their once colossal flock. But they don’t actually own them. Rather the state currently permits them to subsist off the land, free from taxation (and sometimes they even throw in a few snowmobiles). Additionally, the Chukchi people get to explore beyond Siberia, since the government gifts each Chukchi native a free flight once a year to any place in Russia or sometimes even abroad. Who would have thought that the Chukchi’s socialist, reindeer based economy would be one of the few living relics of Communist times?

The father, Vladimir, had travelled all over, as far as St. Petersburg. At the age of 56, out of an initial eleven siblings he only had one living sister. Living conditions are quite harsh out in the Tundra, he lamented, and even said that he lost his brother and father in a single day when they were crossing a frozen river and the ice below them crumbled. He quickly said that the others got lost wandering into storms or were killed by polar bears. 

After our long conversation with Vladimir, we packed our sleds and sped 5 hours north towards the city of Vankarem. 

 

Siberia is Melting

The ride to Vankarem was uneventful, and when we arrived we immediately sat down for dinner across from Sergey Kavry, the head Polar Bear researcher of the region. Sergey had been working with the WWF as an environmental coordinator since 2006, and was tasked with protecting the polar bears and walruses. Daily duties included scaring off poachers and searching for polar bear ice dens. 

As you probably know, global warming and greenhouse gases are melting arctic ice at a rapid rate. If the global community doesn’t drastically reduce greenhouse gas pollution, polar bears won’t have their ice- sea hunting habitat (and thus no access to seals, which make up the majority of their diet).

 But travelling up here on slush that used to be ancient permafrost, you don’t need to look at facts and figures to know that this environment is being meddled with. But why is permafrost melting exactly a bad thing? Well, permafrost is perpetually frozen soil, and occurs mostly in high latitudes. It covers 24% of the Northern Hemisphere, but when that ancient ice turns into slush, it causes erosion, landslides and the disappearance of lakes. But the big twist is that permafrost has always stored massive amounts of carbon. So if all of that is released into the atmosphere, our blanket of heat-trapping gases will only grow thicker, and expedite the warming of our delicate planet. 

Additionally, this mass melting has some truly strange and terrifying consequences for the Chukchi people. For centuries in Russia, there were nasty outbreaks of Anthrax, even in the far reaches of Siberia. Luckily, those dead bodies were entombed by the permafrost. But now that is all melting, exposing perfectly preserved Anthrax riddled bodies to wandering reindeer, who in turn expose their herders to the deadly smallpox causing agent (that we don’t have a vaccine for because it is a much older version of the disease). Most importantly, this isn’t a “what if” scenario. It’s already happening. Quite recently a five year old child died and 13 people became ill when they unknowingly came into contact with a thawed Anthrax-infected reindeer. It’s madness right?

 

Searching for Polar Bears

We had dinner in Sergey’s apartment, which was packed with dusty books and trinkets from far corners of the world. His wife gave us a massive plate of steaming fried potatoes and large bowls of fish and meat soup, along with a cup of hardy honeyberries from the tundra.

Over our steaming dinner we made plans to tag along on his patrol the next day.  

At this point in the trip we were quite sleep deprived. As filmmakers we always want to be shooting in the good light at sunrise and sunset, but up in Siberia at this time of year the sun sets at 10:30 p.m., and rose just four hours later. Which meant that, for the past few days, we had been sleeping only a few hours a night. Markus and I had developed a kind of casual narcolepsy, falling asleep whenever and wherever we possibly could. 

Finding the Brigades wasn’t as easy as it sounded either. Since the collapse of the Soviet Union, the reindeer based economics system dwindled and suffered. Without certain subsidies, there are now only 65 Brigades, which is just a fraction of the 220 that roamed the tundra before the late 80’s. 

By some stroke of luck, the next day, right before we showed up at Sergey’s apartment, we heard that the 7th Brigade was nearby. We desperately wanted to visit. The only problem was that we only had permission to chat with the 5th and 6th Brigades. In order to make this trip possible in the first place we had to adopt a strict travel schedule by request of the Russian government. 

Chukotka is a border region, which means there is an obligatory checkpoint in every town. Whenever we came up the next checkpoint, Michael had to report exactly what we were doing, where we were going and who we were going to chat with (whether that was a Chukchi herder or the owner of a liquor mart). Also, we were probably two of 10 foreigners on the entire Chukotka Peninsula, so slipping under the radar with other tourists wasn’t an option. 

The Vankarem officers, like all the other guards from the previous towns, would check up on us a lot, and make sure we hadn’t been fibbing about our destinations or meetings, which hadn’t been an issue until now. I know what you are thinking-- yes, we could have just asked to change our itinerary. Yet, after spearheading so many expeditions and tours, Michael felt some unsavory vibes and was sure that they would say no. 

So Michael and Sergey came up with a plan: we would go poking around some polar cave dens and “accidentally” stumble across the 7th Brigade's camp.

We rode our snow mobiles deeper into the tundra and started searching for polar bear ice dens. How? Well the brave, and insanely astute Sergey pulled out a long wooden pole and started gleefully sticking it deep through the ice, seeing if it poked through into a cave (or a bear). Luckily we didn’t disturb any napping polar bears, since according to Sergey, most of them had already stopped hibernating. 

After poking our way through the tundra, Sergey discovered two dens, each about 5 meters wide and 4 meters deep, both of which tapered to a point at the end. I crawled into both and was surprised by how warm they were. The glaciologist in me was geeking out over the magical deep blue veins in the cave. 

After crawling around some ice dens for a few hours, we drove our snowmobiles to the very edge of coast and saw the ocean splashing over icicles and snow that had formed on boulders that dotted the beach. I was beginning to think we had run out of luck, but then in the distance we spotted a massive herd of reindeer on a snowy, featureless hill.

We ran over as fast as we could. The Chukchi of the 7th Brigade had their full yaranga assembled, which was emitting a thick golden light from within. Yarangas consist of two layers of tents (an outer tent and inner tent called a polog) and are structured like a rounded out teepee. The tent poles the Chukchi use are scavenged lightweight logs that wash up on the icy beach, since trees don’t grow in the tundra. They’re strung together with a patchwork of deer skins and knobby rope; it takes about 50 deer skins to make a medium sized yaranga. There was also a group of ten fluffy, wolf-like dogs chained up, all of which were barking quite viciously. After a few deep breathes, we popped into the tent to chat with the family (regrettably, we never caught their names). 

Due to the abysmal conditions of the tundra, hospitality and generosity is an unceasing gesture. Multiple people told us that it is essentially forbidden to refuse anyone, even a stranger, shelter and food. Stinginess is almost a crime. Thus, Chukchi communities are always going to provide for everyone: orphans, widows, the poor and even wonderstruck German wanderers. 

Everyone’s body heat had made the Yaranga quite toasty, which was impressive since the temperature outside was hovering at -20 degrees. But we didn’t get to stay very long. Our time was running short, and our funds even shorter. We retreated back to Vankarem during the blue hour of 10 o’clock. 

 

When Cultures Clash

The next day we pored over the shots we had gotten so far and realized that we didn’t have what we needed. Uh-oh.

We decided that we had to visit the 7th Brigade again. But  the trouble was, everyone wanted much more money for this extra excursion. Sergey, our drivers, and even the 7th Brigade needed pay and fuel money to make the trip worth their while. Our budget was already far overdrawn. But we had come to the end of the world to get these shots, and we couldn’t give up now. 

So we set out on the same path. Along our journey Sergey was poking the ground again for more caves, and he stumbled into one with a mother and two cubs.

Then we met back up with the 7th Brigade family, chatted some more and began to get our shots. What we needed were shots of people in traditional Chukchi clothing. So we grabbed a few willing herders. But halfway throughout the shoot the mother of the family told us she didn’t want to be photographed, so we stopped. 

It threw a wrench in our shoot, and presented a moral quandary that I think every documentarian faces at some point or another. We are photographers. We need shots. We need to see into the lives of people. It’s what we do for a living, and we do it for a good cause. By documenting the lives of remote peoples, we work to portray the beautiful diversity of human cultures. We want to show the world that it is important to preserve these cultures, that their difference is valuable.

We see it as a tragedy that the Chukchi language is dying out, that the children no longer speak their parent’s tongue, that climate change and social pressures are endangering their way of life.

But on the other hand, what makes us think we have the right to pry into someone else’s life? What makes us think we have the ability to capture an entire culture in a fleeting documentary? This is a nomadic family. They were not our tour guides. This woman was smart. Would you trust some foreigner who had only spent a few days in your country to accurately photograph you, and define you, and present you to the rest of the world?

All a documentarian can do, then, is approach his subject as any traveler would--with respect and love, looking to make genuine connections with other human beings. Only then can the camera come out--and only if these people truly want to share their lives and their family with the rest of the world.

But let’s be honest - none of this would have been remotely possible without Michael’s anthropological prowess. He has been researched Chukchi culture for decades, studied the language day and night, and accompanied the Brigades on innumerable migrations. He managed to get us the shots we needed, obey (or skirt around) the local legal limits and make the locals happy while doing so. It is an impossibly hard job.

 

Journeying South

After that final meeting with the 7th Brigade we started our long journey home, which was kicked off with a dense, icy blizzard. To avoid the brunt of the storm Michael took us deep inland, through the heart of polar bear country. Our guides weren’t too concerned (or at least they pretended not to be for our sake). We had single weapon in case we ran into a hungry polar bear - a modified kalashnikov slung around Michael’s shoulder.

Luckily, he never had to use it. But the trip was not without incident. At one point my snowmobile lost traction started to skid sideways across the ice. Everything was in slow-motion. Max and I looked at each other and knew we had to bail. We jumped off just as the machine flipped, sliding upside-down along the ice.

There was no damage, but we decided that was enough adventure for one day. So for the first time in our turbulent excursion, we set up our own tents. We pitched our tents in the billowy snow, unfurled our insanely thick sleeping bags and capped off the night with  a bucket of steamy risotto. 

 I crawled into my tent, curled up in my warm Yeti sleeping bag and was shocked to find that I was immediately warm and cozy, despite the fact that it was -15 outside and quickly dropping. I was asleep before I knew it.

The next morning was quite pleasant, except for the fact that I nearly blew up our campsite. At the time I didn’t know how to work our fuel stove.  So while I was whipping up some breakfast I let too much fuel out, unknowingly struck the flint, and lit everything around me on fire (which was luckily just snow). My comrades heard the commotion and quickly found me with a stark ring of melted snow around me, with a bit of charred grass poking out. But later on I got to redeem myself when I was put on dish duty, and boiled a few buckets of snow to scrap off the bits of food that were thoroughly cemented to each plate. 

 

Migration Day

On our 10th day in the tundra we finally got to witness a jaw-dropping phenomena: the Chukchi reindeer’s monthly mass migration. After a long trudge through some thick morning fog we met back up with the 5th Brigade.

The migration goes like this: the family spends two hours packing away their pots, generator, gasoline, soups, dried meat, furs, and garments. They tear down their tent in layers, like how you would peel an onion. As they disassembled the yaranga, I saw all the thick dark layers of reindeer fur, the chiseled wooden supports and the waxy outer layer rainproof fabric. 

After this, they load all their belongings onto 10 sleds that have distinct cargo. One sled is stacked high with winter coats and cozy clothes while another carries all the reindeer meat and dried tea. 

And then they must lasso and wrangle reindeer to pull each sled. 

At that point we hadn’t seen the male reindeer yet. Valerie and his son hopped on their snowmobiles to get them, telling us that the reindeer were grazing on the other side of ridge. So we waited. After a while I saw everyone in camp turn and look to the eastern horizon. I followed their gaze and almost couldn’t believe what I saw--a massive collection of these shadowy figures with tall, tangled horns. They were cresting the white horizon and running right toward us. 

Immediately, Markus and I fished our heavy telephoto lenses out of our bags and started sprinting towards the top of a ridge right beside our valley. Valerie and his son were zooming around, encouraging the deer to march forward, using their mobiles to carve the path of the herd. 

The flock was massive, but what was so strange was that they were completely silent--as the 1,500 reindeer came closer I could barely even hear their steps, nor did any of them chatter, grunt, or groan. All we could make out was their muted clomps and the whirr of the snowmobiles. 

As they came zooming past, Valerie, Vladimir and his son stepped off their mobiles and fished two lassos out of their bags. Then they positioned themselves at opposite ends of the herd and took turns chasing the reindeer whilst throwing the lasso into the dense crowd. They needed 10 to pull all the sleds. Each time Valerie wrangled a buck he would draw it close and look at it. Some were too weak or tired, so he would just release them back into the crowd. 

If it was strong he slipped a saddle over its twisted horns and tied it to the sled. In the meantime Valerie’s wife and daughter brewed some tea and roasted some thick slabs of reindeer meat for everyone to munch on. 

After a few hours of wrangling they had enough reindeer for the sleds. They lined up all ten sleds behind the massive herd. Valerie and his son got back on their snowmobiles and urged the herd forward. The march began. Markus and I walked alongside the plodding reindeer, snapping photos and weaving through the crowd.

At the end of our migration the reindeer, dogs, sleds, people and snowmobiles took over the lily white hill that appeared before us like an apparition. Once we peeked over the summit we saw mountains that were colored blood red by the sunset. The Fifth Brigade had found their new home. A new slice of tundra to devour. 

Once everything was settled, the reindeer who were pulling the sleds were cut loose and we began to pitch the yaranga in the golden light. It was around 11 o'clock p.m. when the tent was finally set up. Everyone decided to stop unloading the sleds and focus on warming up their frozen toes and hands.

Later that night, while we were gathered around a simmering fire I couldn’t really comprehend what we had just witnessed. We had just dismantled an entire home, picked up every scrap and moved it across the harsh tundra to this otherworldly hilltop. What’s more, Valerie’s family did this every single month of their lives. I didn’t think this kind of freedom existed in our world.  

 

Interview with a Reindeer Herder

On our last day with the 5th Brigade we got to interview Vladimir. He told us that his brother used to live in St. Petersburg. Not too long ago that brother passed away and left his apartment to Vladimir. A ticket out of nomadic life. For a while he was tempted to abandon the tundra and live in the city.

But one day he was in the city looking out that flat’s window, and all he could see were people and buildings hovering over the horizon. He decided he would miss the vast, free emptiness of the tundra too much. Chukotka was his real home.

After we said goodbye to the 5th Brigade, we continued south towards our starting point: Uelkal, then onto Anadyr. Along the way we saw a peculiar, gaping hole in a frozen lake. We later found out that the commuter tank we encountered in the beginning of our trip had broken through the glass and had sunk to the bottom. Luckily the men riding inside had escaped in the nick of time and were presently indulging in some well deserved rest/ vodka. 

 

Atao (good-bye) Siberia!

Still reeling, Markus and I decided to spend our last hours in Siberia on a frozen beach and watch water drain from the plains into the ocean (all the snow in this region has melted away a full month early). The ocean before us was covered in puzzle piece slabs of ice. We impulsively hopped onto one of the chunks and gazed on, awestruck, as the swollen red sun dipped below the horizon. When we scrambled back onto shore we watched the shards of ice drift farther apart and float out to sea, much quicker than we’d like. 

After

“Why did I sign myself up for this?” I remember wondering halfway into our trip to Namibia. It was the first chapter of our project, and I had jumped on the plane bursting with excitement. I was going on a pleasant adventure through the sunniest country in the world to see some lions and elephants, and bond with the Himba people.

But I had been wrong. Instead I spent most of the trip in a barren, sizzling  40 °C desert, with horrid food and just a single gulp of water left in my canteen. 

That first night, in my dehydrated, disillusioned misery, I was convinced that I would never be interested in these various collections of eternal nomads, or the places they call home. But that was before. Everything has irrevocably changed. 

After innumerable interviews and misadventures, I’ve gotten the rare chance to spend quality time with the world’s most isolated communities, who’ve graciously shared so much with me--hopes, histories, beliefs, fears, aspirations. I’ve been told awe-inspiring stories-- everything from an enterprising Chukchi couple that stole an entire herd of reindeer to a Bajao man who went blind from gazing too long at his beloved sea. I began to realize, slowly, that these cultures all had something to offer, something that people from “modern” cultures, people like myself, were missing.

Everything from the Tiny House Movement, to off-grid living, to the new digital nomads trend provide evidence that people of industrialized societies are trying to downsize their living spaces, assert their independence, and curtail materialism. I know now that these people are reaching back toward ancient roots that they don’t even know they have.

These novice nomads of the industrialized world are re-learning the ins and outs of nomadic life, everything from planting potatoes to milking a goat to composting. They are starting from scratch. But the nomadic communities I have been lucky enough to visit have been harmoniously living off the land for centuries. In a real, practical sense, they already have it all figured out. Which is why it is critical that we respect and preserve these nomadic communities, because their lifestyles, communal knowledge, and survival skills are something we can’t afford to lose as human beings. This is why we tell the stories of the world’s most isolated communities--to preserve our shared human heritage, to revive our most ancient knowledge, to remember where we come from and most of all, realize who we can be once again. 

Comment

Two Weeks at Sea: Meeting Indonesia's Last Sea Nomads

Comment

Two Weeks at Sea: Meeting Indonesia's Last Sea Nomads

written by Tyler Merkel (based on notes and interviews with Simon Straetker)

Indonesia. The home of komodo dragons, aquamarine seawater, and ancient Hindu temples. It’s the world’s largest archipelago, with more than 17,000 islands spanning three time zones. Most map makers declare Indonesia as our world’s last great frontier, since it hasn’t been fully explored (only 6,000 of the islands have been named, and even fewer are occupied). Yet, the focus of our adventure wasn’t to discover a new island, rather we journeyed to the remotest corners of Southeast Asia to find Indonesia’s perpetual wanderers: the Bajau sea gypsies.

Before we dive in, I should probably explain how I started making travel documentaries in the first place. Back in 2015, Markus Mathus was searching for a filming partner for his upcoming project on indigenous tribes. That’s when my video popped onto his Facebook feed. So, he called me up and asked if I wanted in.

Two years later, Markus and I have embarked on four trips to the most remote places in the world. We’ve sailed down the turbulent waters of the Amazon, scrambled up Namibia’s blood orange dunes, and trudged across South Sudan’s dusty golden plains. 

Also, if that last reference to the plains of South Sudan piqued your interest, you can check out my last blog post. It’s filled with near death adventures, political intrigue, and plenty of photos of the spectral Ankole-Watusi. Give it a glance!

But back to the story. You might be wondering why would do we do this? The answer is this– to portray, photograph, and make real the rapid changes that climate change and other, sometimes unforeseen influences of the modern world have on these remote lands and the people who live in them. To make real that which has been rendered invisible by insurmountable geography.

After a brief reprieve in Germany, we were finally ready for our next excursion: Southeast Asia.

On this expedition, we set out to meet, mingle with, and learn from the Bajau people. For centuries the Bajau people have lived entirely on their boats as sea gypsies, untethered to the land. That is, until around thirty years ago. Now the majority of these wandering seafarers have chosen to  settle down into stilt villages.

Our first stop was Wakatobi National Park, a region that’s universally adored by scuba divers and oceanographers alike, since it contains over 940 fish species and over 700 species of coral (for comparison, the Atlantic/Caribbean region has fewer than 70 species). The Wakatobi waters provide the absolute perfect conditions for coral growth: the water is crystal clear, the sea’s temperatures constantly hover at 27 C, and depth typically caps off at 20 meters, (which provides the coral with plenty of light). Finally, the waves aren’t violent, even in torrential storms. Any slight variation in any of these traits would hinder reef growth.  

After Wakatobi we headed for Mabul, where encountered some of the last Bajau sea gypsies living completely nomadically. 

Our team consisted of Markus Mathus, the filmmaker Janis Klinkenberg, soundgirl Svenja Christ and lastly me, Simon Straetker. We didn’t have a guide this time around, so we just had to coax some foreign friends into giving us impromptu tours.

Up first was the otherworldly Bajau village of Sampela, in Wakatobi.

 

DAY 1: Sampela

How do I even describe this place? Sampela is a village floating in the middle of the sea, built entirely on stilts. It’s an island without a scrap of land at its foundation, a normal village transplanted onto a shallow patch of aquamarine sea, complete with delicate bridges connecting one home to the next. Over the years the Bajau people have simply wedged wooden foundation poles into the reef below, and the coral accepts it gladly—almost as if the village was simply an extension of the reef’s growth. The symbiotic result is illogical, fragile, and above all, enchanting. 

As a whole, the Bajau community is not wealthy, nor are they poor. Their villages are often equipped with healthcare facilities, schools, and mini-mosques. For our first day on Sampela we just pieced together conversations of broken English (and even more broken Bajau) with the locals, and wandered the village until the sun dipped below the horizon. Near dark, we returned to our hotel on Hoga Island—an almost invisible sliver of green in the distance. 

 

DAY 2: Hoga Island

On our second day, we woke up at the crack of dawn and roamed the shore to document Indonesia’s trash plague. We found that this unnamed beach in Wakatobi, like many other Indonesian beaches, was covered in rubbish. It was unsettling to be on this remote island and continually stumble across fields of plastic bags, yogurt cups, soda bottles, chip bags and big rig oil canisters. We filmed Markus sifting through the junk. 

This was also the day we met Pondang, a fast friend, savvy navigator, and incurable yes man who became our Bajau guide for the majority of our trip. At first, I thought Pondang was the most agreeable person I had ever known. He answered every question we asked with a quick and confident “yes.”

“Are there scorpionfish on this reef?”

“Yes.”

“Are there any true nomads living in this village?

“Yes.”

“Do people dynamite fish on this island?”

“Yes!”

We started to suspect that perhaps “yes” was the only English word our guide knew. So we asked, “Pondang, are you a terrorist?” and he said “Yes! ...wait, no!” Caught, Pondang let out a laugh so infectious we couldn’t help but to join in. 

 

DAY 3: Sampela

On the third day we got to dive with some Bajau fishermen, who are renowned for being unfairly super human at free diving. Markus meant to snap photos while snorkeling, but after a few minutes in the water, we quickly figured out our gear was far too buoyant, so we would need to strap on some hefty weight belts. So our only option was scuba diving—and we were a tad worried. 

I mean, Markus and I are both licensed, but neither of us had been diving in years. Also, we were used to having divemasters to calculate our weight, oxygen levels, and to make sure we didn’t freak out and explode our lungs. No divemasters around here though. Our fear was compounded by the fact that we forgot a decent chunk of our scuba equipment at the rental shop.

So we did what anyone else would do in our situation: we Googled “how to scuba dive.” It didn’t help. We jumped into the water anyway, and luckily our muscle memory kicked in. No exploded lungs this trip.

During our dive we photographed the Bajau hunt. The process is impressive—the divers strap on wooden and glass goggles and swim on the surface looking down. Once they spot a fish they take a deep breath, dive down, leisurely swim along the seafloor and harpoon dinner. None of the divers had any problem diving twenty meters repeatedly. We later learned that Bajau men cut their eardrums when they’re young to avoid the effects of varying pressure in their ears. The downside, of course is that most Bajau men are deaf by their forties.

After 20 minutes, the men had rounded up over 40 fish. We clambered up into the boat, cut open some iridescent yellowtail, spritzed on some lemon and indulged in a long lunch. 

 

DAY 4: Sampela

On our fourth morning, the islands were hit with a torrential storm. We hid under a bungalow and interviewed an older man about just how much the island had changed in the past two decades. He lamented that there used to be so many more fish, but later he also happily stated that local schools now supported more children and supplied them with uniforms, two luxuries which hadn’t been afforded to anyone in his youth. We asked if he was content with his lot in life and whether he desired anything beyond his small village. He replied with an assured no, saying “I’m happy. I don’t need anything at all.” 

 

DAY 5: Sampela

Halfway into our trip Markus and I had the opportunity to do a homestay in the Bajau village of Sampela. Which was lovely until Markus and I broke...well, everything. It all started when Markus hung a shirt over an electrical wire to dry. It snapped, of course. But it appeared as if the wire had been mended with duct tape before, so I tried to repair it by slapping on some more. When in Rome, right? Well I’m not exactly the most talented DIY electrician, so the wire started sparking furiously and all the lights in the neighbouring houses flicked off. At this point, our operation was blown. But our host family was so gracious with us, and managed to get the lights powered up and working in a matter of minutes.

 

DAY 6: Sampela

This afternoon we joined the Bajau people for some net fishing. How it works: a few fishermen climb into a small, three meter canoe. The Bajau at the back steers with a long wooden pole, much like a Venetian boat guide, while the other men slip a 100 meter long net into the water on the right side of the boat. Then they strike the water on the left side of the canoe with the steering rod, scaring the fish straight into the net. The Bajau then pull up the net, and voila, a canoe full of fish in under an hour. 

 

DAY 7: Sampela

This was our final day in the Wakatobi region. So we went to a nearby reef and swam along it until the coral dropped off into a black abyss. The lighting was just right and we captured some stellar shots of the Bajau hunting, free diving, and swimming circles around us. 

Later that afternoon, the clouds blotted out the sun and we couldn’t capture footage that we desperately needed. We realized our GoPro could film in these poor conditions, but anyone who uses one knows that they are incredibly hard to keep still, especially when underwater currents constantly toss you in random directions. So in a last ditch effort, we duct taped the GoPro to a monopod and the handlebar of my gimbal, and to our surprise it worked! 

 

DAY 8: Kendari

We spent the whole of this day on a ferry that goes between Wakatobi and Kendari. Oddly enough, it was one of my favorite days. I really love the feeling of slow traveling as opposed to hopping from plane to plane. Slow travel can be meditative (and these ferries go especially slow). On this sedate sea commute I had enough time to examine every lush mountain, patch of seaweed and underwater maze of coral—all sights that you pass by in an instant when you’re on a plane. 

That’s not to say the voyage was complete serenity, though. As we journeyed further out to sea I spotted my fellow passengers tossing their rubbish into the ocean. We learned that it’s quite ordinary for Indonesians to throw their garbage into the sea. I was mystified. Even worse, the boat didn’t even have any trash bins, so it seemed like the ferry company was enabling people’s sea littering tendencies. 

I didn’t get it. Why treat the ocean like one big garbage bin? 

The Indonesian government tried to squash the problem in 2016 by introducing a plastic bag levy to branded retailers, but many environmentalists have slammed the campaign because the tax is too low to make an impact and plastic bags only make up a small percentage of the waste. To make matters worse, many people seem to prefer the aesthetic of modern plastic packaging. Biodegradable wrappers such as banana leaves are almost considered passé.

The government has also set up an expanding network of “trash banks” (there are currently over 3,800 nationwide). These makeshift dumps give people a small chunk of change for their recyclables.

Most people estimate the real solution to the trash crisis is two fold: First the government (or a well monied NGO) needs to create a real, convenient waste disposal system, where the government collects and properly disposes of rubbish. They also need to switch out current plastics with biodegradable options that leave no toxic residue (so those who like throwing their yogurt cups into the ocean won’t contribute to the problem). 

 

DAY 9

The next morning we set out to witness what had to be the strangest sight in all of Indonesia: dynamite fishing. One of Pondang’s friends was a career dynamite fisherman and agreed to let us film the process. First we convened at this man’s house, where he showed us his vast stockpile of homemade bombs, all stored in beer bottles. 

We tossed a few beer bombs into a boat and paddled out to a sandy bank. Then he casually lit the bomb and tossed it over the side of the boat, just five meters away. The ocean bubbled and we heard a muffled boom. Then a bunch of slack jawed, shell shocked fish floated to the surface. Apparently it’s the pressure, not the blast, that kills them. 

Obviously this tactic yields way more spoils than traditional spear and net fishing. But the bomb’s pressure and residual chemicals are swiftly killing the coral. Additionally, this method is too efficient, and the fish population can’t regenerate fast enough. While we were still on the boat we asked him if he was aware that dynamite was killing the reef. “Twenty other people from my village do it,” he replied. “What’s one more person?” 

 

DAY 10: Toreo

The next day, we ventured two hours north in search of the last true Bajau sea nomads. But they are nomads, so predicting their stopovers can’t exactly be accomplished in a single day. The Bajau were nowhere in sight, but we did find some of their spectacular wooden light fishing platforms. That’s right. Light fishing, the most whimsical hunting method ever conceived.

Each platform is topped with a generator and heaps of lamps. After sundown the fishermen paddle out to these wooden islands, start up the generator, and hang the lamps near the water's surface, with a net just below them. Strange as it is, the fish are drawn to the light; so much so that they swim right into the net. The next morning the fishermen return to find their nets bursting.

Still in search of truly nomadic Bajau people, we packed up our gear, hopped onto another wobbly boat and began our journey to Indonesia’s neighbor: Malaysia.

 

Malaysia

After a few flights and a boat ride we arrived in Mabul, rumoured to be a routine stop for many sea nomads, where they pose in tourist’s photos and sell fish at the markets. Mabul is also one of the best spots in the world to see exotic micro marine life. The island’s endless maze of reefs is choc full of sea critters like frogfish, cuttlefish, blue-ringed octopi, and bobtail squids (just to name a few). It’s a scuba diver’s nirvana.

But would we finally get to meet the Bajau sea nomads?

We would. We knew we were in luck when we spied a few nomad houseboats moored in the harbor, ten meter long vessels distinguished by their harlequin canopies, and quite often a family of five or more living inside.

Apparently, the government is making it impossible for these nomads to create a stable living. In one interview, a Bajau fisherman told us he would like to live in a house on an island but he can’t afford to. Like other nomads, he changes location ten times a year to follow fish migrations. If he didn’t live on a boat, he would require ten different houses on disparate islands to be at the right place, at the right time to catch the fish he needs. But the fact that he lives on a boat renders him stateless in the government’s eyes. It’s a bit of an economical conundrum, where a fisherman’s job and settling down on an island are essentially incompatible choices. 

As you’ve probably guessed, Bajau people don’t typically learn English. Thus, most of the resort jobs around Mabul are taken by Filipino immigrants. But we met one exception who would join our travel group: Abdul. He was a rare Bajau who had managed to teach himself English and Mandarin and land a job in Mabul working as a scuba guide. His unique experience meant that he had experienced both Eastern and Western lifestyles. Later that day he confessed that the Bajau people just “worry about today,” while in a Western lifestyle people live for tomorrow. After a little thought, Abdul theorized that the Bajau are far happier than their Western counterparts who are burdened by house payments, demanding jobs and the like. Contrarily, he confessed that he preferred his Western lifestyle in Mabul and couldn’t see himself returning to the Bajau rhythm of life. 

We met him on a dive with 120 Chinese tourists, which was such a peculiar excursion. Fifteen minutes into our scuba tour Abdul asked the crowd who could swim (not scuba dive—swim). Only half the group raised their hands. Janis, Svenja and I looked at each other wide eyed and worried everyone was going to die. But Abdul took this all in stride and managed to keep everyone alive. 

 

DAY 12

Lucky for us, the charming Abdul volunteered to be our translator for our final round of interviews. We were all strolling along the shore of Mabul when we spotted a houseboat with 40 stingrays laid across the roof, shriveling in the sun. Without much thought we walked up and thought we could chat with the family for 20 minutes. Instead, we talked for over two hours. 

We learned that there were 8 people, spanning three generations, living on this ten meter boat. The vessel was divided into three primary sections: the front segment of the boat was for fishing and storage, which included several boxes neatly packed with gear, clothing, and a few nick knacks. The middle of the boat was a communal space equipped with a single miniature hammock, and lastly, the back end of the boat was outfitted with a kitchen. The family said that each of them had grown up on a boat, and spent their lives flitting from one island to the next, always following the fish.  

At the end of the interview it started to storm, so the family tugged down the canopy’s rain covers and the others left to find shelter (there wasn’t room for everyone under the boat’s shelter). But I decided to stay on the boat for a bit longer. 

Nothing grand happened—I just played with the kids while the father mended a net and the grandmother diced up a sting ray. But we all kept grinning at one another. When an adventure is finished, it’s these quiet, culturally transcendent moments that stick with you. As a filmmaker, I’m kinda used to being intrusive. It’s hard to bond with other people when your face is hidden behind a camera. So this quiet, camera-free hour was a benison. 

In the end, I think our trip could be encapsulated by an interview we had with an older nomad, who managed to live at sea despite being completely blind. He would often go fishing with his sons, but felt quite comfortable on his own and moved around his boat with such ease that we started to doubt he was blind at all. He had said that he lost his sight 6 years ago from habitually staring into the sun’s reflection on the water. But it didn’t make him sad.

At the close of our interview we asked him if he wanted an identity card, so the government could provide healthcare. He smiled at us and laughed “no, it would just get wet anyways.”

Comment

Eine Reise in die Vergangenheit: Auf der Suche nach den entlegensten Völkern im Südsudan

Comment

Eine Reise in die Vergangenheit: Auf der Suche nach den entlegensten Völkern im Südsudan

geschrieben von Tyler Merkel (basierend auf Notizen und Interviews mit Simon Straetker)

Südsudan. Ein Land, das trotz seiner riesigen Ölvorkommen in tiefer Armut steckt. Ein Staat, der bis vor kurzem in ständige Kriege verwickelt war, 50 Jahre lang. Eine Region, die laut dem Roten Kreuz von der schlimmsten Hungersnot nach Syrien heimgesucht wird. 

Wahrscheinlich hast du all das schon irgendwann mal ein einer der vielen düsteren Nachrichtenmeldungen gehört. Aber diese weite, ökologisch wertvolle Region hat so viel mehr zu bieten als ihre traumatische Geschichte. Wusstest du, dass es dort mehrere hundert verschiedene Sprachgruppen gibt, dass der Südsudan linguistisch eins der vielfältigsten Länder Afrikas ist? Oder dass eins der größten Feuchtgebiete der Welt in der weiten Landschaft des Südsudan liegt? Oder dass es das jüngste Land der Welt ist? Oder dass manche der Völker geografisch so isoliert sind, dass sie völlig abgeschieden von unserer modernen Welt leben? Anfang des Jahres 2017 habe ich mich gemeinsam mit dem Greenpeace-Fotografen Markus Mauthe aufgemacht, um die Geschichten dieses Landes und seiner Menschen einzufangen.

SSP_170219_08088.jpg

Vielleicht wunderst du dich, wie ich zu so einem Projekt gekommen bin. Die Antwort ist vielleicht etwas seltsam. 2015, als Markus ausnahmsweise mal nicht gerade am Reisen war ist auf meine Filme gestoßen, als er durch seine Facebook Feed gescrollt hat. Er hat mich angerufen, ein Projekt vorgestellt, das er “Natur und Völker” nannte und wir haben eine Art fotografisches Blinddate für seine Reise nach Namibia und Botswana ausgemacht, um zu sehen ob eine Zusammenarbeit klappen könnte. Es funktionierte einwandfrei.

Zwei Jahre später haben Markus und ich auf vier Reisen die abgeschiedensten Orte dieser Welt besucht. Und mit abgeschieden meine ich quasi das Ende der Welt. Die Orte, an die man nicht ein, sondern drei kleine Flugzeuge nehmen muss. Danach ein Boot. Dann ein Esel. Und dann eine 10 Kilometer lange Wanderung. Orte an denen Handyempfang ein ferner Traum ist und Autos wie ein irrelevanter Mythos scheinen.

Ich vermute, du fragst dich, warum ich so etwas mache. Sich ins Unbekannte hinaus wagen? Öffentliche Verkehrsmittel, sauberes Wasser und Duschen hinter sich lassen? Ich sag dir wieso - um die rapiden Veränderungen, die der Klimawandel und andere, oft unvorhersehbare, Einflüsse der modernen Welt auf diese abgelegenen Landschaften und Völker haben, zu portraitieren, fotografieren und begreifbar zu machen. Um das, was durch unüberwindbare geografische Grenzen und jahrzehntelange Kriege unerreichbar wurde wieder sichtbar zu machen.

 

Vorher

Während der letzten drei Jahre haben Markus und ich dutzende Flugzeuge bestiegen, unzählige klapprige Autos gemietet und viele Lebensmittelvergiftungen durchgemacht. Wir haben uns durch den Amazonas gekämpft, haben die hochtürmenden Sanddünen Namibias erklommen und sind tagelang durch das staubige Great Rift Valley in Äthiopien gewandert - alles Zwischenstops auf unserer Mission, den Alltag der abgelegensten Völker dieser Erde festzuhalten. Nach ein wenig Zeit zu Hause waren wir endlich für unser nächstes großes Abenteuer bereit. Also haben wir unsere Euros in Sudanesische Pfund eingetauscht und uns zahlreiche Visas besorgt. Wir waren auf dem Weg ins jüngste Land der Welt, den Südsudan.

Unsere kleine Reisegruppe bestand aus Markus, seiner Frau Juliana, dem Geografen und Filmemacher Fabian (“Fabi”) Bazlen und mir, Simon Straetker.

Im ersten Abschnitt der Reise stand ein Besuch bei den Kachipo an, einem halbnomadischen paläo-sudanesichen Volk, das sich seinen Lebensunterhalt durch Jagen, Sammeln und Landwirtschaft durch Brandrodung verdient. Die sesshaften Landwirte leben im östlichen Boma-Gebirge, einer Region, in der die letzten großen Antilopen-Wanderungen der Serengeti-Ebene (mit ungefähr 1,3 Millionen Tieren) stattfinden. Zebras, Giraffen und Leoparden haben diese Landschaft lange Zeit durchstreift. Aber heute führen Wilderei, Hungersnöte und nicht vorhandene Naturschutzregelungen dazu, dass sich Ökologen fragen, ob überhaupt noch Tiere übrig sind.

Die Gegend war schon immer berüchtigt dafür, nur schwer erreichbar zu sein und wurde seit 1914 nicht mehr von Europäern erforscht. Das bedeutet, dass manche Völker noch nie Kontakt zur westlichen Welt hatten, bevor wir ankamen (außer vielleicht zu ein paar sehr entschlossenen Missionaren).

Im zweiten Abschnitt der Reise lernten wir das Volk der Mundari kennen, die ungefähr 70km nördlich der südsudanesischen Hauptstadt Juba am Weißen Nil leben. Das Volk ist für seine großen Ankole-Watusi Herden bekannt: gewaltige, unwirkliche Kreaturen, die aussehen, als kämen sie direkt aus einem Märchen.

 

Erster Halt: Juba

TAG 1

Unsere Reise begann mit einem langen, überfüllten Flug von Frankfurtnach Addis Ababa in Äthiopien. Auf diesem Flug waren wir noch von Touristen umgeben, die die kalten europäischen Wälder für Safaris, Vulkanseen und Sandstrände in Äthiopien eintauschen wollten.

Im klapprigen Pendler-Flugzeug von Addis Ababa nach Juba, der Hauptstadt des Südsudan, waren dann keine der vergnügten Touristen mehr zu sehen.

Nach einem etwas holprigen Flug landeten wir in Juba und betraten den seltsamsten Flughafen, den ich je gesehen habe (und ich kenne einige ziemlich komische Flughäfen). Ich kletterte aus dem Flugzeug auf eine zusammenklappbare Rampe und folgte der Menge in ein geflicktes Zelt. Die Gepäckausgabe ähnelte mehr einer Gepäckversteigerung bei der geschäftstüchtige Ortsansässige darauf warteten, sich deine Tasche zu schnappen und sie dir für ein bisschen Bargeld zu deinem Auto zu bringen. Zum Glück konnte ich mit etwas sanftem Ellbogeneinsatz durch die schwitzenden Körper schlängeln und hatte meine drei Gepäckstücke entdeckt, bevor sie im Getümmel verschwunden waren. Wenig überraschend wurde der Flughafen von der Afrikanischen Presse im Jahr 2016 zum “schlechtesten Flughafen Afrikas” gekürt. Aber, so miserabel er auch war, so werde ich diesen Flughafen doch nie vergessen.

Genauso wie den Rest des Abenteuers, in das ich mich gerade erst stürzte.

Vor dem Flughafen wurden wir von einem Mann, der elegant in Hemd und Anzugshose gekleidet war, begrüßt. Er schien völlig von einer dünnen Lage Staub bedeckt zu sein, vermutlich von seiner letzten Exkursion. In den nächsten Tagen würde dieser Mann unsere Expedition wieder und wieder retten. Er stellte sich als Joan Riera vor.

Joan ist ein anerkannter katalanischer Ethnologe, der dauernd unterwegs ist und schon unzählige Völker und indigene Gemeinschaften in Afrika besucht hat. In der Gemeinschaft der ethnologischen Expeditionen ist er als Experte für Erkundungen bekannt und hat schon Reisen für National Geographic und für einige der renommiertesten Fotografen dieser Welt geleitet. 

Neben Joan stand sein Partner, Donald Ainomugisha - ein ugandischer Alleskönner, der als unser Mittelsmann fungierte. Wegen ihm waren wir sicher unterwegs und hatten die Gelegenheit mit Einheimischen zu sprechen. Außerdem war er ein toller Koch und machte uns vor allem die ugandische Küche schmackhaft (bestehend aus Matooke, Sorghum Fladenbrot und Ziegeneintopf, um nur ein paar Gerichte zu nennen).

Ursprünglich war unser Plan, noch am Samstag, gleich nachdem wir in Juba gelandet waren, in den Boma Nationalpark zu fliegen. Aber wie alle Reisenden wissen, gibt es so straffe Zeitpläne nur in der Theorie. Joan teilte uns mit, dass wir noch auf ein paar Bestätigungen von irgendwelchen wichtigen Leuten der südsudanesischen Regierung warten mussten und erst einige Tage später losfliegen konnten.

Und schon saßen wir fest. Also entschieden wir uns, ein paar Nächte im Rainbow Hotel im Osten der Stadt zu verbringen, einem Gebäudekomplex, der vom UN Welternährungsprogramm und Mitarbeiten vom Roten Kreuz besucht wird. Wir verbrachten die Tage in der Schwebe, fuhren in billigen, luftigen Jeeps durch Juba und schlichen uns in verstecke Cafés und Bars mit Klimaanlage, in denen die ortsansässige Oberschicht sowie Expats ihre Tage damit verbrachten, guten Kaffee zu trinken und Zeitungen aus fernen Ländern zu lesen. Wir bekamen schnell mit, dass viele Ausländer sich nicht wirklich mit der lokalen Bevölkerung abgeben, sondern diese noblen Treffpunkte bevorzugen - elegante, moderne Gebäude, die wie Fremdköper aus der Stadt herausstechen. Leider mussten auch wir wegen der kritischen politischen Situation so nah wie möglich an unserem Hotel bleiben.

Die schmalen Straßen waren voller UN- und NGO-Fahrzeugen und vor den wenigen Tankstellen standen dauernd Autos und Menschen in lange Schlangen. Es gab eine strenge Ausgangssperre ab 19 Uhr, die regelmäßig von Militärstreifen kontrolliert wurde.  Man konnte eine ständige Anspannung fühlen und ich sah in den Augen aller Menschen die ich traf ein gewisses Misstrauen.

 

TAG 2

Ein weiterer Morgen in Juba. Wir erfuhren, dass selbst unser verschobener Zeitplan zu optimistisch war.

Joan versuchte erfolglos einen bezahlbaren Flug nach Boma zu organisieren. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, dass der Südsudan die letzten 5 Jahrzehnte in viele bittere Bürgerkriege verwickelt war, in denen mehr als 50 verschiedene Bevölkerungsgruppen um Freiheit, Macht und Stabilität gekämpft haben. Und schlimmer noch, die ethnischen Spannungen könnten das Land noch weiter schädigen. Es gibt inzwischen ein brüchiges Friedensabkommen zwischen dem bevollmächtigten Dinka-Stamm und dem Volk der Nuer, von dem niemand weiß, ob es halten wird.

Die Folgen der Coups und hitzigen Kämpfe haben auch dazu geführt, dass die staatliche Infrastruktur bestenfalls instabil ist, was auch die südsudanesischen Fluglinien in dieser Zeit nicht gerade verbessert hatte.

Also mussten wir kreativ sein. Unsere einzige Chance war es, uns an den ehemaligen Gouverneur der Boma-Region zu wenden - den stellvertretende Verteidigungsminister Lt. Gen. Yauyau David Jankuch - und ihn darum zu bitten, uns auf unserer Reise zu begleiten, damit er uns einen Flug in den Boma Nationalpark vermitteln konnte.

Es stellte sich heraus, dass Joan die Schwierigkeiten unserer Reise vorhergesehen hatte und bereits einige Monate zuvor mit dem General Kontakt aufgenommen hatte, wohlwissend, dass wir nur ernsthaft in dieser Region reisen konnten, wenn wir die Unterstützung eines hochrangigen Politikers hatten.

Bevor wir wussten, wie uns geschah, saßen wir dem wiederwilligen General beim Abendessen gegenüber und versuchten ihn dazu zu bringen, uns spontan zu begleiten. Zu unserer Überraschung schafften wir es, ihn zu überreden. Wir platzen fast vor Aufregung. Während dem gesamten Abendessen saß ich direkt neben dem General, der wirklich nett und aufgeschlossen war. Er hatte tiefe Lachfalten und helle, freundliche Augen.

Es ist für mich immer noch seltsam, daran zu denken, dass dieser Mann während dem blutigen Bürgerkrieg im Sudan ein aktiver Anführer war und schreckliche Gewaltverbrechen miterlebt hat.

Am Ende des Treffens machten wir aus, am Dienstag beim ersten Tageslicht nach Boma aufzubrechen.

Auf unserer letzten Fahrt vom Restaurant zurück zum Rainbow Hotel konnten wir endlich die Stadtteile außerhalb des Bezirks, in dem sich die Expats aufhalten, besuchen. Durch den angespannten Frieden zur Tageszeit und die strenge Ausgehsperre ab 19 Uhr waren die Straßen gespenstisch still. Auf unserer kurzen, sieben Kilometer langen Fahrt passierten wir mehr Polizeikontrollen als ich zählen konnte, die alle unser Auto nach versteckten Waffen durchsuchten und jede unserer Bewegungen genau beobachteten.

Zum ersten mal wurde mir bewusst, wie prekär die Stabilität der Hauptstadt wirklich war.

Wegen der Spannungen wurden wir nachdrücklich darum gebeten, keine Fotos zu machen. Meine Kamera lies ich in meinem Rucksack. Alles was von dieser Zeit geblieben ist, sind diese Worte.

 

TAG 3

Unser dritter Tag begann im Büro des südsudanesischen Ministeriums für Verteidigung und Veteranen. Wir besuchten den Minister in seinem Büro, besprachen letzte Einzelheiten und erhielten die offizielle Erlaubnis für unsere Expedition in den Boma Nationalpark. Am vorherigen Abend hatte der Minister uns im Gegenzug um einen Gefallen gebeten. Er hatte uns erzählt, dass er sich für Kriegsveteranen einsetzt, indem er ihnen Fortbildungen in Büro- und Computerarbeiten ermöglicht. Aber als ein junges Land, das immer noch mit den Folgen des jahrzehntelangen Krieges zu kämpfen hat, hat seine Regierung nicht genügend finanzielle Mittel dafür.

Gemeinsam entschieden wir uns dazu, die Menschen im Veteranenzentrum zu fotografieren, in der Hoffnung, dass ihre Geschichten Unterstützung von Sympathisanten bringen werden. Man vergisst so schnell, dass die Nachrichtenberichte über Konflikte und wirtschaftliche Probleme mehr als nur Statistiken sind. Dahinter stecken echte Menschen, Menschen wie deine Nachbarn, deine Kinder und deine besten Freunde. Diese Menschen haben einfach nur Pech gehabt und einen furchtbaren, blutigen Krieg geerbt. Wir hofften, dass die Porträts die Welt daran erinnern würde, die Menschen hinter den Statistiken zu sehen. Im Hinterhof des Veteranenzentrums fotografierten wir so viele Kriegsveteranen wie möglich.

Als wir an diesem Abend heimfuhren, wurde mir bewusst, wie unwirklich sich das alles anfühlte. Die meisten unserer Abenteuer fanden bisher immer ohne Genehmigung der Regierung statt. Meine erste Reaktion war es immer, mich vor dem Militär zu verstecken, mich im Gebüsch zu verstecken, meine Kameraausrüstung unter weiten Jacken zu verbergen und immer unterm Radar zu bleiben. Und jetzt? Jetzt wurden wir in offiziellen Militärautos herumkutschiert und waren dauernd von bewaffneten Soldaten begleitet. Nach einiger Zeit gewöhnte ich mich erschreckend gut daran, von AK-47 umgeben zu sein.

 

Zweiter Halt: Boma

TAG 4

Um 5.30 Uhr klingelte mein Wecker. Ich duschte noch ein letztes Mal, stopfte meine Ausrüstung in meinen Rucksack und dann machten wir uns auf den Weg zum Flughafen. Wir hatten geplant um 7 Uhr loszufliegen, um im guten Licht ein paar Fotos zu machen, aber wir hoben (wer hätte das gedacht) erst drei Stunden später ab. Auf der anderen Seite umgingen wir so die unzähligen Sicherheitschecks und durften die Zeit in einer etwas protzigen VIP Lounge verbringen und mit General Yauyau und ein paar anderen Ministern sprechen, und genossen den raren Komfort einer Klimaanlage.

Schließlich wurden wir in ein kleines, verwittertes Passagierflugzeug verfrachtet. Wir verbrachten zwei Stunden in der Luft und überquerten weite Ebenen, bevor wir uns dem Boma Nationalpark näherten, der in ein außergewöhnliches Grün getaucht war, spärlich mit rotbraunen Bergen betupft.

Die Piloten waren völlig unbekümmert undliessen uns sogar im Cockpit filmen und Szenen der Landschaft unter uns festhalten, eingerahmt von den kalten, metallenen Bullaugen des Flugzeuges.

Als wir landeten, begrüßte uns eine kleine Menschenmenge und nach einer kurzen Tour durch dasTier- und Naturschutzzentrum von Boma stieg General Yauyau wieder in das Flugzeug, mit dem Ziel seine Familie in einer benachbarten Region zu besuchen.

Wir aber reisten noch weiter. Ich zwängte mich mit sieben Soldaten auf die Ladefläche eines Pickup-Trucks, die alle eine AK-47 an sich trugen, und wir fuhren gen Osten, tiefer nach Boma hinein. Starker Wind zerzauste meine Haare und wirbelte Staub hinter unserem Auto auf. In diesem Chaos aus Gewehren und Männern stellte ich mir vor, wie sich Soldaten kurz vor einem Kamp fühlen müssen - eine kurzlebige Euphorie vor der Schlacht, wenn man sich noch sicher und unbesiegbar fühlt und die anderen Soldaten wie Brüder scheinen.

Nach ein paar Stunden erreichten wir während der goldenen Stunde endlich Boma. Wir warfen unsere Rucksäcke auf den Boden und schlugen unsere Zelte auf.

 

TAG 5

An diesem Tag sollten wir den Kachipo-Stamm treffen, aber vorher mussten wir noch eine Entscheidung treffen. Wir hatten die Wahl zwischen der langen, sicheren Strecke zu ihrem Dorf, und der kurzen, gefährlichen. Die erste Route war eine recht lange Wanderung, die ein paar Tage dauern konnte. Die zweite war ein viel kürzerer Marsch, allerdings erforderte er das Besteigen einer 1000 Meter hohen Gebirgswand. Wir wählten die kurze Stecke, was sich bald als falsche Entscheidung herausstellen sollte.

Nach den ersten 200 Metern Aufstieg fühlte sich Markus zittrig und schwindlig. Die Soldaten nahmen ihm den schweren Kamerarucksack ab und wir liefen weiter. Es ging ihm zunehmend schlechter und er konnte nur noch kurze Stücke klettern. Ich hatte Mitleid mit ihm und fragte mich, wie er sich fühlte. Die Frage klärte sich, als auch mir nach 400 weiteren Metern schwindlig und schlecht wurde. Es war außerdem ziemlich heiß und die Sonne knallte erbarmungslos auf unsere Rücken.

Ich dachte, es könne nicht mehr schlimmer werden. Dann ging uns auf halben Weg das Wasser aus.

Es war alles ziemlich eigenartig, weil Markus und ich in ziemlich guter Verfassung waren. Immerhin habe ich schon so einige Berge bestiegen, auch als ich dehydriert war.

Es war schnell klar, dass wir auf unserer Reise irgendeinen Virus oder Bakterien abbekommen hatten. Also kämpften wir uns widerwillig weiter. Wir dachten nicht mal daran, umzukehren. Eine Zeit lang ging es gut, aber auf 650 Metern kollabierten Markus und ich beide. Ganz offensichtlich würden wir es nicht ohne Wasser weiter schaffen. Also entschieden wir, dass Joan, Fabi und die Soldaten sich weiter voran wagen würden, um Hilfe zu holen.

Und wir? Wir legten uns drei Stunden lang einfach mitten auf den Pfad, schauten in die Wolken und versuchen ein wenig Energie zu sammeln. Mitmutlosem Blick beobachtete ich, wie die leichte Brise in den Bäumen spielte und hörte dem Gesang der Vögel zu. Aber dann sah ich aus dem Augenwinkel etwas farbiges hervorblitzen und plötzlich beugten sich drei Kachipomänner über mich, in ihre traditionellen lila, grün und bräunlich gefärbten Tücher gekleidet.

Ich schrie in meinem fiebrigen Zustand fast vor Glück. Sie hatten einen fünf Liter-Kanister voll Wasser mitgebracht. Ich hätte unsere Retter küssen können. Als ich ein paar große Schlucke Wasser trank, schaute ich in all ihre freundlichen Gesichter und grinste. Der Älteste tauchte seine Hände feierlich ins Wasser und wischte vorsichtig den Dreck aus meinen Augenbrauen und Haaren.

Ich hatte mir unsere Begegnung natürlich ein wenig anders vorgestellt (etwas formeller und würdevoller vielleicht, zum Beispiel in ihrem Dorf, auf beiden Beinen, händeschüttelnd). Aber alle Formalitäten beiseite war es so viel besser, da unsere Retter schnell zu Freunden wurden.

Expertentip für alle, die im Ausland Freunde finden wollen: Jemanden vor dem akuten Verdursten zu retten, ist ein guter Weg zu schnellen Freundschaften.

Nachdem wir genug getrunken hatten, kletterten wir weiter. Langsam. Wir kämpften uns 20 Meter hoch, ruhten fünf Minuten lang, kletterten und lagen schon wieder da. Es sah nicht wirklich ruhmreich aus, aber es klappte. Es kommt mir inzwischen alles ein bisschen verschwommen vor, aber ich erinnere mich, dass ich irgendwann auf den Schultern des ersten Kachipo den ich kennengelernt hatte, getragen wurde, der der meine Haare gewaschen hatte. Später kraxelten wir ein paar Meter auf unseren Knien vorwärts. Nach zwei langen Stunden erreichten wir endlich den Eingang des Dorfes und fielen in die Zelte, die unsere Freunde bereits aufgebaut hatten.

 

TAG 6

In dieser Nacht hatte ich Albträume, die an Halluzinationen grenzten. Am nächsten Tag blieben Markus und ich benommen und krank in unserem Zelt zurück, während Fabian, Joan und Juliana das Dorf erkundeten, sich mit Mitgliedern des Kachipo-Stammes trafen und die Gegend auskundschafteten.

Es stellte sich heraus, dass die einzige Wasserquelle des Dorfes 15 Minuten Fußweg entfernt war. Wir mussten das trübe, braune Wasser filtern und mehrmals kochen, um es trinken zu können.

Während meines Krankentages im Zelt las ich “Das Öl, die Macht und Zeichen der Hoffnung” vom deutschen Entwicklungshelfer Klaus Stieglitz, der enthüllt hatte, dass im Norden des Südsudans das Trinkwasser von mehr als 300.000 Menschen verschmutzt worden war.

Verschiedene Firmen haben dort ungehindert von Umweltschutzgesetzen im Unity State willkürlich nach Öl gebohrt und routinemäßig ihr Abwasser ins Grundwasser sickern lassen, was natürliche Bewässerungssysteme sowie das Trinkwasser für zahlreiche Stämme verschmutzt hat.

Bei Untersuchungen von Wasserproben haben Wissenschaftler hohe Konzentrationen von schädlichen Schwermetallen gefunden. Noch schlimmer war allerdings ihr Fund, dass der Salzgehalt des Wassers acht mal höher als der von sauberem Trinkwasser ist. Das bedeutet, dass das salzige, verschmutzte Wasser stark gefiltert werden muss, weil es sonst den Konsumenten vollkommen dehydriert.

Einer der größten Ölkonzerne in der Region ist der malaysische Formel 1-Sponsor Petronas. Der Konzern hat Millionen damit gemacht, jeden Tropfen Öl aus den sudanesischen Reserven zu ziehen. Aber trotzdem hat die Firma keinerlei Interesse daran, eine saubere, umweltfreundliche Abwasserentsorgung zu entwickeln. Warum sollte sie auch? Giftiges Grundwasser im Sudan betrifft keine ihrer ausländischen Aktionäre.

Während unserem ganzen Aufenthalt auf dieser Kachipo-Bergkuppe hatten wir keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, was uns einen kleinen Einblick in die tagtägliche Situation von 300,000 Sudanesen gab. Die unschuldige Bevölkerung ist für einen Profit vergiftet worden, den sie nie zu Gesicht bekommen wird.

 

TAG 7

Der heutige Morgen begann mit einer Feier - wir wurden offiziell mit einem Kachipo-Willkommenstanz und Donga (einer Zeremonie, die die Kraft und den Mut der Männer beweist) vom Stamm willkommen geheißen, was alles in allem mindestens drei Stunden dauerte. Meine Gesundheit hatte sich bis dahin ein wenig verbessert und ich fragte mich, ob es nur einen aufmunternden Willkommenstanz gebraucht hatte, um meine Beschwerden zu heilen. Markus kämpfte immer noch gegen Frösteln und Kopfschmerzen, sodass sich die spirituellen Frauen der Gemeinde versammelten und die Götter anflehten, ihren fremden Freund zu heilen.

Wir interviewten noch einige Stammesmitglieder und erfuhren, dass wir ihre ersten weißen Besucher waren. Das war ziemlich überwältigend - wann hat dir das letzte mal jemand erzählt, dass er noch nie jemanden gesehen hat, der so aussieht wie du? Später an diesem Abend wurden Markus, Fabian und ich auf ein zerklüftetes Plateau geführt, von dem aus wir den gesamten Boma Nationalpark überblicken konnten. Die spirituelle Heilung der Frauen brauchte wohl ein paar Tage bis ihre Wirkung einsetzte, denn Markus war immer noch ziemlich schwach. Er verbarg es aber sehr gekonnt. Obwohl er quasi halbtot war, war er hier auf der Bergkuppe und machte im besten Licht ganz atemberaubende Bilder. 

In diesem Moment wurde mir bewusst, dass Fotografie für Markus wie Atmen war. Unverzichtbar. Lebensspendend. Unaufhörlich. Ich schwöre, dass er wahrscheinlich von einem Fels fallen könnte, sich beide Arme brechen, und immer noch die umwerfendsten Fotos machen würde.

 

TAG 8

Heute standen wir mit Tagesanbruch auf und begannen einen langen Tag voller Filmen. Fabi, Markus und ich begannen den Tag mit Portraits der lokalen Dorfbevölkerung. Wir machten viele Pausen und Markus gab seine sperrige Spiegelreflexkamera oft den Stammesmitgliedern, damit sie Fotos von Freunden und ihren Familien machen konnten.

Nach ein paar Stunden besuchten Fabi und ich eine Familie am Rande des Dorfes, die uns freundlicherweise erlaubte, ihr Haus zu besichtigen. Es war ziemlich klein, nur drei Meter breit und einen Meter hoch. Wir mussten alle hineinkrabbeln. Aber das war für die Bewohner kein Problem, da das Haus sowieso nur als trockener Ort diente, an dem man ein bisschen Schlaf bekommen konnte.

Den restlichen Tag erkundeten wir das Dorf und nahmen Stunden an Filmmaterial auf. Aber als die Sonne hinterm Horizont verschwand, wurde uns leider klar, dass wir wieder aufbrechen mussten. Wir wären gern länger geblieben, aber das Wasser dort war nicht unbedingt förderlich für unsere rätselhafte Infektion. Also packten wir unsere Ausrüstung, verabschiedeten uns herzlich und machten uns auf den mühsamen Rückweg.

Joan hatte uns und den Soldaten zum Glück zwei Männer des Jie-Stammes mit 20 Flaschen Cola entgegen geschickt, die wir auf halbem Weg trafen - eine Überraschung für seine dehydrierten Gefährten.

 

Dritter Halt: Jie

TAG 9

Am nächsten Morgen fanden wir uns im Jie-Dorf wieder, das einen Stamm beheimatet, der sich von seinen Traditionen und seiner Geschichte abgewendet hat, um ein westliches Lebenzu führen. Auf Grund ihrer Verwestlichung erinnern sich viele Stammesmitglieder nicht mehr an ihr kulturelles Wissen und haben die Taktiken, um von ihrem Land zu leben, verlernt. Und da es an Arbeitsmöglichkeiten und Nahrungsmittel mangelt, sind sie inzwischen von internationalen Ernährungsprogrammen abhängig.

Wir begegneten einer erschreckend großen Anzahl ausgehungerter und von dauernder Armut geplagter Menschen. Also suchten wir in unseren Taschen nach Essen und verteilten es. Es war nicht mal annähernd genug und die Geste, ein paar Scheiben Brot an eine Gruppe von Kindern zu verteilen, fühlte sich so wahnsinnig unzureichend an. Nach einiger Zeit mussten wir wieder gehen und begannen die zwei Kilometer lange Wanderung durch die glühend heiße Savanne zu unserem Base Camp. Wenn man in einem Land mit gemäßigtem Klima wie Deutschland aufgewachsen ist, ist es schwer sich vorzustellen, hier zu überleben oder gar zu leben. An jenem Abend schlachteten unsere Gastgeber eine Ziege und brieten sie in ihrem eigenen Fett über einem großen Holzofen.

TAG 10

Nachdem es nachts stark geregnet hatte, wurde unsere 10 Kilometer lange Reise zu einer schlammigen Angelegenheit und die Fahrt zurück zur Landebahn fühle sich an wie eins dieser unrealistischen Computer-Rennfahrspiele. Als wir endlich das Rollfeld erreicht hatten, stiegen wir in das Buschflugzeug und flogen in die angrenzende Region, um Minister Yauyaus Heimatdorf zu besuchen. Die Landebahn des Dorfes war so kurz und holprig, dass ich mir sicher war, wir würden eine Bruchlandung machen. Unser kurzer Besuch verlief unspektakulär und nachdem wir etwas Eintopf mit dem Minister gegessen hatten, stiegen wir zurück ins Flugzeug nach Juba.

SSP_170222_08095.jpg

 

Vierter Halt: Der Weiße Nil

TAG 11-12

Nach einer kurzen Atempause in Juba machten wir uns Richtung Norden auf, um die nomadischen Hirten des Sudans zu treffen - das Volk der Mundari. Sie ließen ihre riesigen Herden an den Ufern des Weißen Nils neben ihrem derzeitigen Dorf weiden. Nachdem wir 70 Kilometer gefahren waren, schlugen wir unsere Zelt an der Mündung des Weißen Nils auf und machten uns mit unseren Kameras in der Hand auf zu den Rinderherden der Mundari.

Wir erfuhren, dass nur die junggeselligen Männer eines Stammes als Nomaden leben und die wandernden Herden hüten, während die Familien und Alten das ganze Jahr über im Dorf leben. In einem unserer Interviews erzählte uns ein junger Hirte, dass diese Tiere “sein Leben” seien. Ein anderer Mundari erwähnte augenzwinkernd, dass Heiraten der einzige Weg war, dem Hirtenjob zu entkommen.

Im Rinder-Camp nahmen uns die Mundari auf eine Tour durch ihre minimalistischen Häuser mit.  Mittags verbrachten wir mit den Kindern Zeit, die Kuhmist verbrannten, die Asche auf den Tieren verrieben und sogar ihre eigenen Arme und Beine damit bedeckten, um die Moskitos fernzuhalten. Ein Mundari betonte, dass man sich, bevor man ein anderes Dorf besucht, am besten mit etwas Asche einreiben und um sicher zu gehen auch noch eine Hyänenhaut überziehen sollte, damit niemand anfängt einen zu bekämpfen. Ein weiteres Stammesmitglied fügte hinzu, dass die Asche auch als Seife verwendet wird.

In der Dämmerung holten sie ihre Herden nach Hause, die aus allen Richtungen ins Dorf strömten. Zwei Stunden lang summte und vibrierte der Boden, als 700 Paar Hufe der Ankole-Watusi während dieser Massen-Heimkehr über den Boden stapften. Die langsamen Tritte der Tiere wirbelten Aschewolken auf, die in der untergehenden Sonne leuchteten.

 

TAG 13

Am nächsten Tag flog ich meine Drohne über das Dorf und fing skurrile Bilder der Mundari-Herden ein, wie sie entlang des Nils weideten. Wie immer weckte meine Drohne die Neugier von ein paar Stammesangehörigen und etwas später zeigte ich den Hirten wie ihre Tiere und Häuser aus der Vogelsicht aussahen. Als alle anderen sich wieder an die Arbeit machten, setzten wir uns unter das Laubdach eines Baumes, um zu lesen, ein Nickerchen in der Morgensonne zu halten und den Blick auf die fremdartige Prärie zu genießen.

Abends kehrten wir ins Dorf zurück und filmten die Mundari beim Wrestling (neben Fußball die Lieblingsfreizeitbeschäftigung der Mundari). Wir beobachteten die Stammesangehörigen auch dabei, wie sie einander wunderschöne, verwobene geometrische Muster auf die eingeriebene Haut aufmalten.

 

TAG 14

An unserem letzten Tag besuchten wir eine einfache Kirche, die umherziehende Missionare vor langer Zeit für die Mundari gebaut hatten. Pünktlich jeden Nachmittag füllte sich die Kirche mit Stammesmitgliedern, deren melodische Gebetsgesänge über die staubige Ebene bis zu den grasenden Ankole-Watusi drangen. Es war ein ernüchternder und zugleich wunderschöner Moment.

 

TAG 15

Am Morgen unserer Abreise waren wir immer noch im Rinder-Camp am Weißen Nil. Wir verbrachten noch etwas Zeit im Dorf und machten ein paar letzte Fotos von den staubigen Ebenen im pinken und blauen Morgenlicht. Wie immer lief uns die Zeit davon und unser Abschied von den Mundari war kurz, wie es Verabschiedungen so an sich haben. Es stellte sich heraus, dass auch das Volk der Mundari bald weiterziehen würde. Nicht mehr lange, bis sie ihre gewaltigen Herden in die nahegelegenen Berge treiben würden, da die Ebene bald unter Wasser stehen würde.

Und schon waren wir wieder unterwegs. Wie erwartet wurden wir von unzähligen Polizisten angehalten, die zum letzten Mal an unserer Reisegruppe verdienen wollten. Aber Mayong (der Sekretär des Ministers und unser inoffizieller Wächter) wies die fragwürdigen Polizisten einfach ab und befahl ihnen, uns vorbei zu lassen. Es funktionierte. Dank ihm erreichten wir den Flughafen gerade noch rechtzeitig, um uns kurz unter der Klimaanlage der VIP Lounge auszubreiten und das völlige Chaos in Afrikas schlimmstem Flughafen zu umgehen.

 

Danach

Es gibt keine einfachen Lösungen für all die Probleme mit denen der Südsudan zu kämpfen hat. Zudem die Situation immer katastrophaler wird, da ungefähr die Hälfte der 11 Millionen Menschen großen Bevölkerung von einer Hungersnot gefährdet ist; und die Inflation mit 300% das Land im Prinzip in die Insolvenz führt. Das Land ist reich an natürlichen Ressourcen, aber globale Unternehmen haben alle Gewinne für sich beansprucht und dabei als Dank das Wasser im Südsudan vergiftet.

Es ist überwältigend, aber auch wenn der Konflikt kompliziert ist, so ist er doch nicht hoffnungslos. Hier deshalb einige Ideen, wie du etwas bewegen kannst.

1. Informiere dich über das Thema und lies “Das Öl, die Macht und Zeichen der Hoffnung” vom deutschen Entwicklungshelfer Klaus Stieglietz.

2. Versuche, weniger Benzin zu verbrauchen! Letztendlich ist es unsere Nachfrage nach Öl, die diese Menschenrechtsverletzungen vorantreibt.

3. Spende an Organisationen wie Oxfam, die Menschen in Not mit Nahrungsmitteln versorgen.

Comment

Journeying into the Past: Our Search for South Sudan’s Most Isolated Tribes

Comment

Journeying into the Past: Our Search for South Sudan’s Most Isolated Tribes

South Sudan. A country habitually poverty-stricken, despite its vast oil reserves. A nation that was embroiled in five decades of constant war until very recently. A region that the International Red Cross says faces mass famine and crisis, second only to Syria.

You’ve probably heard of all of this at one time or another on numerous pessimistic news reports. But this vast, ecologically rich region is so much more than its history of trauma. Did you know it has several hundred language groups, that South Sudan is one of the most linguistically diverse countries in Africa? Or that South Sudan’s sweeping landscape includes one of the largest wetlands on the globe? Or that it’s the youngest country in the world? Or that some of its tribes are so geographically isolated that they have lived completely separate from the modern world? Back in early 2017 I set out with Greenpeace photographer Markus Mauthe to capture the stories of the country and the people who live there.

Read more.

Comment